Ruanda 1 - 5

SANFTE RIESEN, SANFTER TOURISMUS
- Gorillas und mehr im Osten Afrikas

"Ein Land, wo Milch und Honig fließt, wo Vieh- und Bienenzucht blüht und der kultivierte Boden reiche Erträge bringt. Ein Bergland, dicht bewohnt, von hoher landschaftlicher Schönheit, mit unvergleichlich frischem und gesundem Klima." – So schilderte Adolf Friedrich Herzog zu Mecklenburg bei seiner Expedition 1909 das damalige Königreich Ruanda, Teil der deutschen Kolonie Ostafrika.
Die Beschreibung des Herzogs trifft großenteils noch heute, ein Jahrhundert später, zu. Milch und Honig fließen zwar nicht mehr so reichlich – das "Land der tausend Hügel" gehört zu den ärmsten Nationen des schwarzen Kontinents – aber die dichte Besiedlung, die schöne Landschaft  und das gesunde Klima blieben erhalten. Deshalb versucht die ruandische Regierung zunehmend Touristen ins Land zu holen, um es aus der Armut herauszuführen. Als größte Attraktion gelten die in der Welt einzigartigen Berggorillas, die von der amerikanischen Forscherin Dian Fossey liebevoll als "sanfte Riesen" bezeichnet (und übrigens auch von einem Deutschen, Friedrich Robert von Beringe, 1902 als bis dahin unbekannte Spezies entdeckt) wurden. Im Park der Vulkane, wo die Menschenaffen beheimatet sind, wird seit Jahren ein sanfter Tourismus betrieben, von dem Menschen wie Affen gleichermaßen profitiert haben. Das bewährte Konzept "Klasse statt Masse" soll Vorbild sein für die touristische Erschließung auch anderer Regionen dieses kleinen, aber feinen, afrikanischen Landes.

Reportagen (SWR4 RP, 20.11.2009; hr4, 12.06.2010):

Ruanda 1

AFFENGEIL
- die Berggorillas im Park der Vulane

Die amerikanische Primatenforscherin Dian Fossey wird sich vermutlich im Grabe umdrehen angesichts der Touristen in "ihrem" Gorilla-Revier. Fast zwei Jahrzehnte lang hat sie die "sanften Riesen" im Gebiet der Virunga-Vulkane beobachtet und ihr Verhalten studiert, ehe sie 1985 von Unbekannten ermordet wurde. Nicht zuletzt ihrem unerschrockenen Einsatz gegen Wilddiebe ist es zu verdanken, dass die Berggorillas in der Grenzregion Ruanda/Kongo/Uganda nicht weiter dezimiert oder sogar ganz ausgerottet wurden. Doch zeitlebens versuchte Dian Fossey jegliches Gorilla Watching im Volcanoes National Park von Ruanda zu verhindern. Diesen Kampf hat sie verloren. Heute erhalten sieben der fünfzehn Gorilla-Familien täglich Besuch von Touristen – und das trotz des astronomischen Eintrittsgeldes von 500 US-Dollar! Für ...

Ruanda 2

ARTENREICH
- die Flora und Fauna im Nyungwe-Nebelwald

Neben dem Park der Vulkane in Nordwesten des Landes hat Ruanda noch zwei weitere Nationalparks zu bieten. Da ist zum einen der Akagera im Nordosten, am gleichnamigen Quellfluss des Nils gelegen. Dort gibt es natürlich Nilpferde, dazu typische Savannentiere wie Giraffen, Zebras und Antilopen; sogar Löwen wurden schon gesichtet. Insgesamt aber steht der relativ kleine Akagera N.P. etwas im Schatten der großen Tierreservate in den Nachbarländern wie etwa der Serengeti in Tansania. Ruandas dritter Nationalpark, der Nyungwe im Südwesten, ist zwar nicht größer als der Akagera, aber dafür als Bergnebelwald wegen seines Artenreichtums im östlichen Afrika einmalig. Im Nyungwe N.P. leben allein 75 Säugetierarten, 275 Vogelarten und mehr als 1.500 Pflanzenarten, darunter an die 200 verschiedene Orchideen. Viele ...

Ruanda 3

ERDBEBENSICHER
- die Einweihung einer Partnerschule bei Rusizi

Neben Tieren und Pflanzen faszinieren natürlich auch die Menschen Ruandas. An die 10 Millionen Einwohner zählt das kleine Land, rund 400 pro Quadratkilometer – das ist ein Spitzenwert in Afrika. Die Bevölkerung wächst rapide, und das schafft auch Probleme. Beim Bauen von Schulen beispielsweise kommt die Regierung kaum nach. Doch mit Rheinland-Pfalz hat Ruanda einen treuen Partner, der immer wieder einspringt, wenn die Not am größten ist. Seit 1982 bereits pflegt das deutsche Bundesland mit der ehemaligen deutschen Kolonie eine so genannte Graswurzel-Partnerschaft, die nicht nur von staatlicher Seite getragen wird, sondern auch von Kirchen, Vereinen und vielen kleinen Gruppen, die nichts anderes wollen als helfen. So ließen sich die Rheinland-Pfälzer nicht lange bitten, als im Februar 2008 ein ...

Ruanda 4

TATENDURSTIG
- die Tourismus-Förderung aus Rheinland-Pfalz

Der Fremdenverkehr ist im rohstoffarmen Ruanda der Wirtschaftsfaktor Nr. 1 – und dennoch bisher nur ein zartes Pflänzchen. So verzeichnete das ostafrikanische Land im Jahr 2007 knapp 40.000 Gäste. Im Partnerland Rheinland-Pfalz waren es im gleichen Zeitraum mehr als siebeneinhalb Millionen! Bisher haben die Rheinland-Pfälzer vor allem Schulen, Krankenhäuser und Sportstätten gefördert, jetzt wollen sie ihrem Partner auch zunehmend beim Aufbau und Ausbau des Tourismus helfen. Aber "sanft" soll er sein und nachhaltig – darauf legen beide Seiten großen Wert. Die Natur darf nicht weiter zerstört werden, denn sie ist Ruandas wertvollster Schatz. Deshalb setzt der rheinland-pfälzische Tatendurst genau hier an. Dabei kann er auch auf die langjährige Zusammenarbeit der Universitäten Mainz und  Koblenz-Landau mit ...

Ruanda 5

TOTENSTILL
- die Genozid-Gedenkstätte von Nymata

In Ruanda herrschen seit Jahren stabilere politische Verhältnisse als in manchen Nachbarländern. Trotzdem kommt der Tourismus nur schleppend in Gang, nicht zuletzt weil das Image seit dem Völkermord von 1994 arg ramponiert ist. Damals kamen Schätzungen zufolge mehr als eine Million Menschen ums Leben. Der Jahrzehnte lange Konflikt zwischen den Volksgruppen der Hutu und der Tutsi war zu einem grausamen Massaker eskaliert, bei dem Soldaten der Hutu-Regierung, Milizionäre und radikalisierte Zivilisten Angehörige der Tutsi-Minderheit und gemäßigte Hutu wahllos abschlachteten. Statt einzugreifen, schaute die Weltöffentlichkeit betreten weg. Beendet wurde der Genozid erst durch den militärischen Sieg der Tutsi-Rebellenarmee.
Deren Partei, die FPR, ist seither in Ruanda an der Regierung ...

 

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