Nordsee-Insel Juist

PFERDEÄPFEL FÜR DEN KLIMASCHUTZ
- wie das Eiland CO2-neutral werden will

Nein, das ist kein Ostfriesen-Witz: Die ostfriesische Insel Juist will als erste Reisedestination der Welt bis 2030 klimaneutral werden, das heißt, es soll dort kein klimaschädliches Kohlendioxid mehr entstehen. Das wäre zumindest ein klitzekleiner Schritt für die Menschheit, aber ein riesengroßer Schritt für Juist. Irgendwer muss schließlich den Anfang machen, meinen die Insulaner. Sie selbst haben in den letzten Jahren in besonderer Weise unter dem Klimawandel gelitten. Ungewöhnlich häufige und ungewöhnlich heftige Sturmfluten suchten die Nordsee-Insel heim, rissen ganze Teile von ihr weg. Deshalb wollen die Juister jetzt verbrauchte Energie sofort zurück gewinnen. Dafür – auch das ist kein Ostfriesen-Witz – kommen sogar Pferdeäpfel in Betracht.

Reportage (Radio hr4, 13.07.2013):

[zum Anhören klicken: Atmo Pferdekutsche]

ÖPNV à la Juist. Auf der autofreien Urlaubsinsel sind Pferdekutschen die einzigen öffentlichen Verkehrsmittel. Damit wird weniger CO2 freigesetzt. Und der Pferdemist, der in großen Mengen anfällt, könnte sogar zum klimafreundlichen Energielieferanten werden. Als Bio-Brennstoff zum Heizen beispielsweise. Oder in einer Biogasanlage zur Stromgewinnung. Das, sagt Klima-Projektleiter Thomas Vodde, soll jetzt geprüft werden:

[O-Ton Thomas Vodde:]
"Es gibt 'ne ganze Menge auf Juist. Wir haben die Pferdekacke, die auf den Straßen 'rumliegt, die in den Ställen ist: Wir haben sehr viele Speisereste logischerweise, wir haben ja viele Restaurants, Hotels, Pensionen. Am Strand wird sehr viel ökologischer Stoff angespült, den man mit nutzen könnte. Aber für uns ist noch nicht klar, ob das übers Jahr gesehen wirklich ausreicht, und wir wollen nur Dinge machen, die auch ökologisch sinnvoll sind und natürlich auch wirtschaftlich sinnvoll."

Bisher kommt der Juister Strom hauptsächlich vom Festland. Dabei sind Sonne und Wind auf der Insel reichlich vorhanden, und schon zwei große Windräder würden den Energiebedarf decken. Allerdings dürfen im Nationalpark Wattenmeer bisher keine aufgestellt werden.

Es gibt also noch viel zu klären, bevor das Klimaprojekt durchstarten kann. Aber schon jetzt gehen einige Insulaner mit gutem Beispiel voran. So wie Annegret Coordes mit ihrem Bio-Hotel "AnNatur". Da kommt nur vegetarische Vollwertkost auf den Tisch:

[zum Anhören klicken: Atmo-Ton Annegret Coordes]

"Also, das sind heute Ofenkartoffeln mit grünem Spargel, mit einer Kokossoße und einem Avocado-Dip."

Pferdekutsche als Insel-Taxi
Vollwertkost im "Haus AnNatur"
Klimaprojekt-Leiter Thomas Vodde

Das vegetarische Essen ist nicht nur lecker und gesund, es spart auch CO2, schon weil weniger Futtermittel für die Viehzucht aus Übersee herangeschafft werden müssen.

[O-Ton Annegret Coordes:]
"Denken Sie alleine daran, wie viel Schiffe dafür fahren müssen und wie viel Schweröl dafür eingesetzt wird und wie viel Wasser in diesem Land verbraucht wird, damit die Sojabohne da wachsen kann. Ja, und dann wird es hier verfüttert an unsere Schweine. Und dann werden die Schweine kilometerweit gefahren, um irgendwo geschlachtet zu werden."

Inzwischen beteiligen sich deshalb viele Restaurants auf der Insel am so genannten Veggie-Tag. Einmal pro Woche stehen vegetarische Gerichte auf dem Speiseplan. So können auch die Gäste ihren Teil zum Klimaschutz beitragen.

Und Thomas Vodde hofft, dass bis 2030 möglichst alle mit der Bahn oder mit Elektroautos anreisen. Nur dann kann das ehrgeizige Projekt gelingen. Und getan werden muss etwas, damit der Meeresspiegel nicht weiter ansteigt:

[zum Anhören klicken: O-Ton Thomas Vodde]

"Es wird nicht nur reichen die Deiche überall zu erhöhen, sondern wir müssen langfristig dafür sorgen, dass nicht zuviel CO2 in die Luft hineinkommt, damit wir das Zwei-Grad-Celsius-Ziel, also dass die Erderwärmung nicht über zwei Grad steigen soll, auch erreichen können."

[Geräusch: Meeresrauschen]

 

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WATTFÜHRER HEINO
- ein wackerer Kämpfer für die Natur

Die Insel Juist liegt mitten im Nationalpark Wattenmeer. Bei Ebbe ist sie nur auf dem Luftweg zu erreichen, die Fährschiffe müssen im Hafen bleiben, denn während dieser 6 Stunden und 20 Minuten zieht sich die Nordsee weit zurück, die 15 Kilometer zwischen Juist und dem ostfriesischen Festland fallen komplett trocken.
Dieses Naturphänomen erklärt niemand so anschaulich wie Heino Behring. Seit Kindesbeinen ist er im Watt zu Hause, er liebt das Watt wie kein zweiter auf der Insel. Und er ist ein wackerer Kämpfer für den Naturschutz. So hat er beispielsweise gemeinsam mit einem Kollegen aus Norderney erreicht, dass die industrielle Miesmuschelfischerei im Wattenmeer verboten wurde. Denn sie zerstörte den Meeresboden und vernichtete auch alle anderen Organismen. Die aber erfüllen wichtige Aufgaben im komplizierten Öko-System. Welche genau, erläutert Heino während seiner Wattführungen auf ebenso lehrreiche wie unterhaltsame Weise. Unbedingt empfehlenswert!

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Video:
Ökologie im Watt – Ausschnitt aus der offiziellen DVD des Juister Wattführers Heino Behring

 

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KLIMA-OASE
- das Juister Wäldchen

Ein besonders schönes Fleckchen Erde auf Juist (und noch dazu eine Klima-Oase) ist das so genannte Wäldchen im Westen der Insel. Wie man einer Schautafel dort entnehmen kann, gelang es dem Lehrer und Naturforscher Otto Leege bereits 1899, das Gebiet als Vogelschutzzone ausweisen zu lassen. Inzwischen ist es ein Naturschutzgebiet. 50.000 Bäume wurden gepflanzt, vor allem Erlen und Kiefern, aber auch "Exoten" wie Apfelbäumchen und Fliedersträuche. Das Wäldchen ist von Spazierwegen durchzogen. Nirgendwo sonst auf der Insel kann man besser Ruhe und Erholung finden. Mein Tipp für jeden Juist-Urlaub!

 

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