Andernach (Rheinland-Pfalz)

YELLOWSTONE AM RHEIN
- der größte Kaltwasser-Geysir der Welt

Andernach am Rhein, unweit von Koblenz, ist mehr als 2000 Jahre alt und damit eine der ältesten Städte Deutschlands. Zahlreiche Sehenswürdigkeiten – angefangen von der Kurfürstlichen Burg über den Mariendom bis hin zum Runden Turm, dem Wahrzeichen der Stadt – locken seit eh und je viele Besucher an. Seit 2008 aber lockt eine noch viel größere Sehenswürdigkeit: der Geysir Andernach – der größte Kaltwasser-Geysir der Welt. Bis zu 60 Meter ragt die Fontäne in den Himmel, und damit überragt sie sogar den wohl berühmtesten Warmwasser-Geysir der Welt – „Old Faithful“ im Yellowstone-Nationalpark in den USA erreicht „nur“ eine Höhe von maximal 55 Metern.
Vor gut hundert Jahren wurde in Andernach der erste Geysir „entdeckt“, als man auf dem Namedyer Werth, einer Halbinsel im Rhein, nach Mineralwasser bohrte. Schon damals war die Säule aus Wasser und Kohlendioxid eine Attraktion. Doch in den Fünfziger Jahren musste sie dem Bau der Bundesstraße 9 weichen und wurde versiegelt. Erst gegen Ende des Jahrhunderts erinnerte man sich wieder an den einstigen Touristenmagnet und witterte eine sprudelnde Einnahmequelle. 2001 fand wieder eine Bohrung statt. Eine neue Fontäne spritzte aus den Tiefen der Erde hervor, höher sogar als ihre Vorgängerin.
Bis zur vollständigen touristischen Erschließung gingen noch einige Jahre ins Land. In dieser Zeit entstand auch ein Erlebniszentrum am Andernach Rheinufer, wo das komplexe physikalische Phänomen des Kaltwasser-Geysirs anschaulich erklärt wird. Hier starten alle Besichtigungstouren, denn vor der Praxis steht die Theorie!

Reportage (Radio hr4, 03.07.2010; hr-iNFO, 04.10.2010):

[Atmo-Ton: Erlebniszentrum]
"Große und kleine Besucher, seien Sie herzlich willkommen im Geysir-Andernach-Erlebniszentrum. Was Sie hier in unserer spannenden Mitmachausstellung erwartet, sucht Seinesgleichen. Sie werden staunen."

Nach dieser vielversprechenden Begrüßung steigen wir in den Aufzug und begeben uns auf eine virtuelle Reise in die Tiefen des Eifel-Vulkanismus. Bild und Ton suggerieren, dass wir uns in einem Schacht befinden, der 4000 Meter hinabführt. Dort im Erdinnern sondert flüssiges Magma Kohlendioxid ab. Das Gas dringt durch Risse und Klüfte im Gestein nach oben und löst sich im Grundwasser. Der Bohrbrunnen macht es möglich, dass Gas und Wasser unter gewaltigem Druck an die Erdoberfläche steigen.

[zum Anhören klicken: O-Ton Diplom-Geograph Ralf Schunk]

"Den Kaltwasser-Geysir in Andernach können Sie ganz einfach mit einer Mineralwasserflasche vergleichen, die Sie kräftig schütteln und dann aufdrehen. Und wenn Sie das bei einer Mineralwasserflasche machen, dann haben Sie das gleiche Phänomen wie bei dem Kaltwasser-Geysir, nämlich dass Ihnen oben aus der Flasche ein Gas-Wasser-Gemisch hinausspritzt."

Diplom-Geograph Ralf Schunk bringt auf einen kurzen Nenner, was im Erlebniszentrum ausführlich dargestellt wird. Auch zahlreiche Experimente zum Selberausprobieren erleichtern das Verständnis für die komplizierten physikalischen Vorgänge, die den Geysir erst zum Sprudeln bringen.

[Geräusch: Kaltwasser-Geysir]

Nach dieser Eruption vom Tonband wollen wir das Spektakel jetzt auch in der Realität erleben. Am Rheinufer wartet schon ein Fahrgastschiff, das uns zum Naturschutzgebiet Namedyer Werth bringt. Die Abfahrtszeiten sind genau auf die Ausbruchsintervalle des Geysirs abgestimmt. Etwa alle zwei Stunden hat sich genügend Druck aufgebaut, damit die Fontäne in die Höhe schießt.

Ralf Schunk im Elebniszentrum
Mit dem Schiff zum Namedyer Werth
Sachkundiger Führer vor Ort

[zum Anhören klicken: O-Ton Geysir-Führer Christoph Klasen]

"Der Ausbruch selbst dauert zirka sechs bis acht Minuten. Der Höchstpunkt ist zirka nach einer Minute, anderthalb schon erreicht. Die Säule kommt heute doch mindestens auf fünfzig Meter in etwa hoch, vielleicht sogar ein paar Meter höher, weil das ist mit dem Wind immer so 'ne Sache. Wenn man sich vorstellt, an dem Höchstpunkt ist der Druck nicht mehr so hoch, und dann ist er sofort windanfällig."

[Geräusch: Kaltwasser-Geysir]

Die vollen sechzig Meter sind es diesmal wohl nicht, aber höher als die Pappeln ringsum spritzt der Geysir allemal. Da heißt es, genügend Abstand halten – um nicht nass zu werden und weil die hohe Konzentration an CO2 gesundheitsschädlich sein kann.

[O-Ton Christoph Klasen:]
"Weil es schwerer ist als Luft, sammelt es sich auf dem Boden, und es könnte, wenn man hier sich zu lange aufhält, auf jeden Fall zu Kopfschmerzen und Übelkeit führen. Wenn Sie hier schlafen würden irgendwo, zum Beispiel in der Senke da vorne, dann würden Sie wahrscheinlich nicht mehr aufwachen am nächsten Morgen, weil es einfach wirklich so toxisch ist."

Aus gebührender Entfernung aber können wir das Naturschauspiel unbeschwert bestaunen.

[O-Töne Besucher:]
"Toll! Ich bin schon zum zweiten Mal hier. Also, ich bin ganz begeistert."
"Bin begeistert und fasziniert. Es is' recht interessant, was alles so in der Erde passiert."
"Ich fand das sehr interessant, weil ich schon mal Warmwasser-Geysire gesehen hab', im Yellowstone-Nationalpark unter anderem, aber noch nie einen Kaltwasser-Geysir, und das hatte mich mal interessiert."

Von solchen Kaltwasser-Geysiren gibt es nur eine Handvoll auf der Welt. Und die meisten sprudeln nur wenige Meter hoch. Mit dem Geysir Andernach jedenfalls kann keiner von ihnen mithalten. Nicht nur wegen seiner Größe:

[O-Töne Besucher:]
"Es hat 'n hohen Erlebnis- und auch Informationswert, weil es ja mit sehr modernen Medien dargestellt wird, und man wird ja auch quasi sogar – in Anführungsstrichen – gezwungen, sich erstmal die Informationen zu besorgen, im Informationszentrum, und hat dann zusätzlich noch einen kundigen Führer vor Ort, der einem noch mal die Einzelheiten erläutert, Fragen fachtechnisch richtig beantworten kann. Das hat mir schon sehr gut gefallen."

Und noch etwas zeichnet den Geysir Andernach vor allen anderen aus: Er sprudelt im romantischen Mittelrheintal, einer der schönsten Landschaften Deutschlands.

 

 

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Video:
"Walle, walle..." – Eruption des Kaltwasser-Geysirs in Andernach

 

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DAS PHÄNOMEN KALTWASSER-GEYSIR
- die ausführliche Erklärung

Mein Interview mit Ralf Schunk, Leiter Wissenschaft & Pädagogik im Erlebniszentrum Geysir Andernach:

Was bringt denn einen Geysir zum Sprudeln?

[Ralf Schunk:]
"Sie müssen unterscheiden, ob es ein Heiß- oder ein Kaltwasser-Geysir ist. In dem Fall, der Andernacher Geysir ist ein Kaltwasser-Geysir, und er bringt CO2, Kohlendioxid, zum Springen oder zum Sprudeln. Das funktioniert ganz einfach folgendermaßen: Sie haben einen Bohrbrunnen, der ist 350 Meter tief – Sie brauchen also immer einen Brunnen dafür, und in diesen Brunnen strömt Wasser ein, und dieses Wasser ist mit CO2 angereichert, gesättigt. In diesem Brunnen bildet sich dann eine Wassersäule, und dieses Gas, was in dieses Wasser einströmt, dieses Gas wird dann irgendwann so stark angereichert, dass sich kein Gas mehr im Wasser lösen kann, d.h. die Lösung ist gesättigt. Und ist dieser Punkt erreicht, beginnt das Gas in diesem Wasser ganz einfach aufzusteigen. Kleine Blasen steigen von unten auf und dehnen sich aus, weil nach oben hin der Druck nachlässt. Das heißt, diese Blasen werden immer größer und immer schneller ..."

[zum Anhören klicken: mein Interview mit Ralf Schunk]

 

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