Yorkshire 1


STAIRWAY TO HEAVEN
- das Münster von York

York ist die älteste Stadt Großbritanniens. Sie wurde schon im dritten Jahrhundert nach Christus von den alten Römern gegründet. Im frühen Mittelalter machten die Wikinger sie zur Hauptstadt ihres Reiches in England. Heute ist York eine mittlere Großstadt mit knapp 200.000 Einwohnern, aber mit rund vier Millionen Besuchern pro Jahr das touristische Zentrum von Yorkshire. Malerisch am Fluss Ouse gelegen, hat York sein historisches Stadtbild weitgehend bewahrt: eine fast komplett erhaltene Stadtmauer und viele enge Gassen mit windschiefen Häusern und kleinen Geschäften laden zum Bummeln ein. Die (im Wortsinne) überragende Sehenswürdigkeit jedoch ist das Münster aus dem 13. Jahrhundert. Es gilt als größte gotische Kirche nördlich der Alpen. Vom 65 Meter hohen Mittelturm des Münsters hat man einen weiten Blick über die Stadt und über die Grafschaft Yorkshire. 275 Stufen führen hinauf – wahrhaftig eine Treppe zum Himmel.

Reportage (Radio hr4, 28.06.2008; hr-iNFO, 19.07.2008):

[zum Anhören klicken: komplette Reportage]

[Atmo: Glocke St. Peter]

Weithin schallt die Glocke St. Peter über das Häusermeer von York. Und noch viel weiter schweift der Blick aus himmlischer Höhe – besonders wenn die Luft rein ist nach einem kräftigen Schauer. Und das ist in England nun wirklich keine Seltenheit.

[O-Ton Barry Harper:]
"The Pennines and the Dales are over there ...
Da drüben sind die Bergkette der Pennines und die Dales in der Ferne. Dort ist das North Yorkshire Moor, das bis nach Whitby und Scarborough an der Küste reicht. An einem guten Tag sieht man sogar das Weiße Pferd von Kilburn, eine riesige Skulptur, die in den weißen Fels gehauen ist.
... the cliffs by a white stone."

Turmwächter Barry Harper kann das Panorama jeden Tag genießen, aber auch die zahlreichen Besucher haben den mühsamen Aufstieg nicht bereut. Der Blick sei spektakulär, so das allgemeine Urteil.

[O-Töne Touristen:]
"Oh, certainly it was worth it. The view is spectacular. Yeah, I really like the view."
"Ich bin noch nicht ganz 'rum. Also, die erste Hälfte war's wert, aber ich hab's noch nicht ganz geschafft."
"Yes, it was worth it. Good view. And not everybody can manage it. So it's some place not everybody's been."

Er freut sich, dass er etwas sieht, was nicht jeder zu sehen bekommt – weil mancher eben doch vor den 275 Stufen zurückschreckt. Doch nicht nur der Blick in die Ferne beeindruckt, auch der auf die gewaltigen Ausmaße des Münsters selbst.

[O-Ton Jonathan Draper:]
"The span of the nave and the choir ...
Die Spannweite des Kirchenschiffs und des Chors ist zu groß, um gefahrlos mit Stein überspannt zu werden, erzählt der Kanoniker Jonathan Draper. So hat man das Deckengewölbe aus Holz gemacht, hölzerne Streben halten es zusammen. Danach wurde das Holz weiß gestrichen, damit es aussieht wie die steinernen Mauern. Aber wenn Sie genau hinschauen, sehen Sie den Unterschied. Steinerne Streben wären ein bisschen runder, damit sie den Druck und das Gewicht aushalten.
... to take the pressure and the weight."

Blick bis zu den Pennines
Von Cromwells Truppen verschont
Orgel ist eine "Ohrenweide"

Berühmt ist das Münster auch für seine Buntglasfenster, die an Größe und Alter in England ihresgleichen suchen. Die ältesten stammen noch aus dem frühen Mittelalter. Zum Glück wurden sie nie zerstört. Sogar die marodierenden Truppen Oliver Cromwells, die im 17. Jahrhundert das königstreue York belagerten und schließlich einnahmen, ließen die Kirchenfenster unberührt.

[O-Ton Jonathan Draper:]
"Oliver Cromwell's general, a man called ...
Oliver Cromwells General Fairfax war aus York und wollte nicht, dass seine Truppen das Münster zerstörten. So konnte das meiste Buntglas für immer erhalten werden, denn auch danach hat es niemand angerührt.
... done that kind of thing since."

[Atmo: Orgelmusik]

Die Fenster sind eine Augenweide, die Orgel sozusagen eine Ohrenweide.

[O-Ton Jonathan Draper:]
"It's a very big organ ...
Das ist eine sehr große Orgel. Sie wurde Mitte des 19. Jahrhunderts komplett erneuert. Ein Mann namens Jonathan Martin, der Orgelmusik nicht besonders mochte, legte ein Feuer. Und bei diesem schlimmsten Brand überhaupt wurde das Dach des Chors zerstört und viele andere Dinge. Die heutige Orgel ist riesig und hat einen gigantischen Klang. Unsere Organisten sagen, sie ist die drittgrößte in England.
... third biggest in England."

[Atmo: Glockengeläut]

 

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