Tansania 2

DAS ERBE DES PROFESSOR GRZIMEK
- Wildschutz in der Serengeti

Sein Film "Die Serengeti darf nicht sterben" wurde mit einem Oscar ausgezeichnet und machte Tansanias ältesten Nationalpark weltberühmt: Professor Bernhard Grzimek, ehemaliger "Tieronkel" im deutschen Fernsehen und Direktor des Frankfurter Zoos. Fast ein halbes Jahrhundert ist vergangen, seit der Dokumentarfilm in die Kinos kam. Aber Grzimeks Engagement wirkt bis heute nach. Noch immer unterstützt die Zoologische Gesellschaft Frankfurt den Tierschutz in der Serengeti wie keine andere Organisation weltweit. Denn noch immer ist Grzimeks Erbe von Wilderern bedroht – wie damals schon, Ende der Fünfziger Jahre, als sein Film entstand.

Reportage (Radio hr3, 03.07.2005):

[zum Anhören klicken: komplette Reportage]

[Filmausschnitt: "Serengeti darf nicht sterben"]
"Wir müssen heute gegen menschliche Hyänen zu Felde ziehen. Mit den Hütern des Nationalparks wollen wir Wilddiebe aufspüren, die den großen Herden den Weg versperren und Tausende von Tieren umbringen."

Der engagierte Tierschützer Bernhard Grzimek und sein Sohn Michael hatten der Wilderei den Kampf angesagt. Mit Erfolg. Heute leben im Nationalpark mehr Tiere als damals, und es werden weniger getötet. Aber je stärker die Besiedelung an den Rändern der Serengeti zunimmt, desto mehr wird die Fleischwilderei wieder zum Problem. Vor allem auf Gnus haben es die Jäger abgesehen, erzählt Dr. Markus Borner von der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, aber sogar vor Giraffen machen sie nicht Halt.

[O-Ton Dr. Markus Borner:]
"Die Giraffe ist ja das National-Tier von Tansania, und es waren sehr hohe Strafen auf die Wilderei. Heute werden auch extra Fallen gestellt, Schlingen in den Bäumen, wo Giraffen gefangen und für Fleisch verwertet werden."

Grzimek mit Ex-Präsident Nyerere
Wieder mehr Nashörner
Dr. Markus Borner

Wenigstens die Trophäen-Wilderei scheint so gut wie besiegt. Schon seit zehn Jahren hat laut Markus Borner kein Elefant mehr in der Serengeti wegen seiner begehrten Stoßzähne sterben müssen. Das Elfenbein-Embargo zeigte offenbar Wirkung. Und auch die beinahe ausgerottete Nashorn-Population erholt sich langsam.

[O-Ton Markus Borner:]
"In der Serengeti gab's nur noch zwei nach der Wilderei – zwei Weibchen. Dann ist ein Männchen vom Krater 120 Kilometer von hier – die haben gestritten, das eine Männchen wurde aus dem Krater 'rausgejagt, ist dann schnurstracks in die Serengeti marschiert, hat dann beide Weibchen gefunden, heute haben wir wieder 14 Nashörner."

Die werden allerdings von Borners Leuten rund um die Uhr bewacht. Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt gibt Jahr für Jahr rund anderthalb Millionen Euro für die Serengeti aus, sie stellt technisches Gerät zur Verfügung und schult die einheimischen Ranger. Nirgendwo sonst auf der Welt ist sie so engagiert wie hier. Und das aus guten Gründen:

Löwin in der Serengeti
Antilopenherde
Gnu-Wanderung

[O-Ton Dr. Markus Borner:]
"Dass wir uns so konzentrieren auf die Serengeti, hat teilweise damit zu tun, dass eben der Bernhard Grzimek hier gearbeitet hat, dass sein Sohn Michael hier umgekommen ist, aber auch weil dies eines der tollsten Gebiete ist, die es in Afrika noch gibt, und drittens weil wir sehr viel Unterstützung von der Regierung von Tansania bekommen, diese Gebiete auch zu schützen."

Und Unterstützung braucht er auch, um die Ernährung der Menschen am Rande der Serengeti sicherzustellen. Borner will die Jagd außerhalb des Nationalparks liberaler regeln als bisher. Denn schon Professor Grzimek war klar: Wilderer töten oft aus purer Not.

[Filmausschnitt: "Die Serengeti darf nicht sterben"]
"Ob diese Männer wohl einsehen, dass sie zu Recht bestraft werden? Nur wenn wir die Einheimischen für den Schutz der Tiere gewinnen können, wird die Zukunft der Serengeti gesichert sein."

 

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Hier geht's weiter zu den Massai-Kriegern und der Reportage Tansania 3.