Tansania 1

DAS KÖNIGREICH DER LÖWEN
- Pirschfahrt im Ngorongoro-Krater

Der Löwe ist der unumstrittene König der Tiere. Und wenn es ein Königreich der Löwen gibt, dann ist es der Ngorongoro-Krater im Nordwesten Tansanias. Dieser Vulkankessel mit rund 20 Kilometer Durchmesser zieht die Wildtiere der Umgebung an wie ein Magnet, denn die meiste Zeit des Jahres gibt es dort genügend Wasser. Auf dieser relativ kleinen Fläche tummeln sich Tausende von Gnus, Zebras und Antilopen. Ein reich gedeckter Tisch für Raubkatzen also. Deshalb leben dort auch mehr als 100 Löwen. Da gibt es fast so etwas wie eine Garantie, den König der Tiere in freier Wildbahn zu erspähen. Man muss bei der Pirschfahrt nur die Augen offen halten.

Reportage (Radio hr3, 03.07.2005):

[zum Anhören klicken: komplette Reportage]

[Atmo Safari:]
"Albrecht, wartest du mal? Da drüben, das sind doch Löwen!"
"Wo? Wo sind da Löwen?"
"Da drüben unter dem Busch. Siehst du, wie der da mit dem Schwanz wackelt?"

[Geräusch: brüllender Löwe]

Es ist der Höhepunkt einer jeden Foto-Safari. Alle halten förmlich den Atem an. Der König der Tiere höchstpersönlich. Seit Tagen sind wir auf Pirschfahrt. Wir haben einen Leoparden gesehen, mehrere Geparde und auch etliche Löwinnen. Aber erst hier am Ngorongoro: der erste männliche Löwe. Ein Prachtexemplar mit langer, zotteliger Mähne. Und obwohl seine Majestät uns keines Blickes würdigt, strahlt er eine unwiderstehliche Faszination aus.

[O-Töne Touristen:]
"Für mich ist es das perfekte Symbol Afrikas."
"Sein stolzer Gang – majestätisch eben."
"Die Mischung aus Kraft, Eleganz und die Angst, die man davor hat."
"Mich ergreift das immer total, dass der so cool dahergeht und sich durch nichts beirren lässt. Der ist einfach der König der Tiere."

Blick in den Ngorongoro-Krater
Auf Pirschfahrt
Büffel

[Geräusch: brüllender Löwe]

Seine Coolness hängt aber wohl auch damit zusammen, dass wir im Landrover sitzen und seine Kreise nicht weiter stören. Das meint jedenfalls unser Reiseleiter, der promovierte Zoologe Albrecht Gorthner.

[O-Ton Dr. Albrecht Gorthner:]
"Von Löwen wird man im Auto einfach ignoriert. Es ist was anderes, wenn man aussteigen würde."
- Was würde dann passieren?
"Ein hungriger Löwe mit wenigen Sätzen bei uns. Also, ich kenn' kein Beispiel, aber ich würd's nicht versuchen."

Pinkelpausen also müssen wir uns verkneifen. Auch auf dem Dach darf diesmal keiner sitzen. Sicher ist sicher. Andererseits stehen wir Menschen nicht unbedingt auf dem Speiseplan der Löwen. Da hält der Ngorongoro ganz andere Leckerbissen bereit. Bis auf Giraffen, die den steilen Kraterrand nicht überwinden können, findet man hier so ziemlich die ganze Palette ihrer Beutetiere.

Krater im Ngorongoro-Krater
Gnus und Flamingos
Zebras

[O-Ton Dr. Albrecht Gorthner:]
"Die Löwen bevorzugen große Fleischbrocken, scheuen dabei keine Gefahr. Also gerade Büffel als wehrhaftes Tier und Zebras sind ihre Lieblingsspeise, während Warzenschweine verschmähen sie auch nicht. Aber das sind eher kleine Happen für einen männlichen Einzelgänger."

Und normalerweise jagen Löwen gerne im Rudel. Häufig lassen die Herren der Schöpfung sogar ihren Damen den Vortritt und greifen erst wieder ins Geschehen ein, wenn es ans Fressen geht. Dann sichern sie sich ihren Löwenanteil an der Beute. Das passiert allerdings meistens bei Nacht. Zeuge einer Jagdszene wird man als Tourist nur ganz selten. Meistens döst der König der Tiere faul vor sich hin. Aber egal: Wir wollten einen Löwen sehen und fotografieren. Und das ist uns gelungen. Reiseleiter Albrecht Gorthner hat nicht zuviel versprochen. Nirgendwo ist die Trefferquote besser:

[O-Ton Dr. Albrecht Gorthner:]
"Also, in der Serengeti und Ngorongoro würd' ich sagen, ist es 100 Prozent!"

[Geräusch: brüllender Löwe]

 

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Hier geht's weiter zur Serengeti und der Reportage Tansania 2.