Schaumburg-Lippe 2

DER ALTE GRAF UND DIE PFÜTZE
- eine Fahrradtour um das Steinhuder Meer

Der Name "Steinhuder Meer" klingt fasst schon ein bisschen nach Hochstapelei. Mit seinen 32 Quadratkilometer Wasserfläche ist es zwar der größte Binnensee Niedersachsens, verglichen mit einem echten Meer aber eben doch nur eine Pfütze. Früher markierte das Steinhuder Meer die Nordgrenze des Fürstentums Schaumburg-Lippe, und im 18. Jahrhundert erhielt es sogar strategische Bedeutung. Graf Wihelm (der mit den "Schwarzen Reitern") ließ im Steinhuder Meer eine künstliche Insel anlegen und darauf eine Festung bauen. Die Insel Wilhelmstein ist heute ein beliebtes Ausflugsziel.
Beliebt sind auch Fahrradtouren rund um den See. Egal ob herkömmliche Drahtesel oder moderne E-Bikes – Verleihstationen gibt es genug. Und bei einer solchen Tour zeigt sich, dass die "Pfütze" sogar manche Ähnlichkeiten mit einem echten Meer aufweist.

Reportage (Radio hr4, 20.07.2013):

In Steinhude empfängt uns eine steife Brise wie am Meer, jede Menge Segelboote und Windsurfer tummeln sich auf dem Wasser. Aber es ist eben doch nur Süßwasser und gerade mal zwei Meter tief. Eigentlich will das Steinhuder Meer auch gar kein richtiges Meer sein. Warum es trotzdem so heißt, hat uns Schaumburg-Lippe-Experte Sigmund Graf Adelmann tags zuvor erklärt:

[zum Anhören klicken: O-Ton Sigmund Graf Adelmann]

"In Norddeutschland heißen im Grunde – zumindest auch auf Plattdeutsch – alle Seen 'Meer', und das Meer ist die 'See'. Die Nordsee zum Beispiel, da findet sich das ja auch wieder. Also, es gibt noch andere Meere in Niedersachsen auch. Das Steinhuder Meer ist einfach ein See, weil der Ausdruck 'Meer' für See verwendet wird."

Der Radweg um den See führt nur selten direkt am Ufer entlang. Stattdessen fahren wir immer wieder durch sumpfige Auenwälder, die Lebensraum für eine Vielzahl von Vögeln sind. Mehrmals halten wir kurz an und machen einen Abstecher zu einer der Beobachtungsstationen:

Viele Segler und Surfer
Radweg durch Auenwald
Kein Adler, aber ein Storch

[zum Anhören klicken: Atmo Vogelgezwitscher]

[O-Ton Sigmund Graf Adelmann:]
"Da gibt es Adler, da gibt es Vögel, die dort nur Zwischenstation machen, es gibt den Eisvogel, also viele seltene Arten, die sich dort rund um das Steinhuder Meer aufhalten."

Unsere E-Bikes rollen fast von alleine, wir haben quasi eingebauten Rückenwind. Und in kaum drei Stunden sind wir zurück in Steinhude. Da bleibt genügend Zeit für eine Bootsfahrt hinüber zur künstlichen Insel, die bis heute in fürstlichem Besitz ist.

[O-Ton Sigmund Graf Adelmann:]
"Die Insel Wilhelmstein war eine Idee des Grafen Wilhelm zu Schaumburg-Lippe im 18. Jahrhundert. Sehr zum Leidwesen der Steinhuder, denn sie mussten Hand- und Spanndienste leisten und mussten so lange Material ins Steinhuder Meer kippen, bis eine Insel daraus entstanden war. Und seine Idee war, dort eine Militärschule einzurichten – der berühmteste Schüler war Scharnhorst – und sie als kleine Rückzugsfestungsanlage für sich zu haben und für seine kleine Herrschaft."

Festung Wilhelmstein
Kanonen gegen hessische Truppen
Fischlokal in Steinhude

Einmal wurde die Seefestung sogar attackiert – von hessischen Truppen! Aber sie hielt dem Angriff stand. Die Kanonen von damals sind noch heute zu sehen. Und ein kleines Museum dokumentiert die kuriose Geschichte der Insel Wilhelmstein. Danach aber fordert der leere Magen seinen Tribut. Graf Adelmann hat die Steinhuder Fischlokale empfohlen, allerdings mit einer Einschränkung:

(O-Ton Sigmund Graf Adelmann:)
"Wenn man Zander isst in Steinhude, bekommt man dort wirklich einheimischen Zander, was beim Aal, den es auch im Steinhuder Meer gibt, nicht immer sichergestellt ist."

Na, dann eben Zander. Hauptsache, ein leckeres Fischgericht zum Abendessen. Da fühlt man sich doch gleich wirklich wie am Meer.

 

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Video:
Steife Brise – Windsurfer auf dem Steinhuder Meer geht ab wie "Schmidts Katze"

 

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Hier geht's weiter zu Wilhelm Busch und Schaumburg-Lippe 3.