New York City 1


EXTRA-LARGE
- mit der Stretch-Limo durch Manhattan

Man kennt sie aus Film und Fernsehen. Millionäre werden damit herumkutschiert, Politiker und Filmstars. Sie haben 5 Liter Hubraum, sind 10 Meter lang und immer auf Hochglanz poliert. Innen weiche Ledersitze und viel Beinfreiheit. Die Rede ist von den so genannten Stretch-Limos. Das sind meist kohlrabenschwarze oder blütenweiße Limousinen im XXL-Format – das vielleicht amerikanischste aller Fortbewegungsmittel. In der Enge vieler deutscher Städte würde man nicht weit damit kommen, aber in der Mega-Metropole New York mit ihren breiten Boulevards haben die Mega-Autos kaum Probleme. Deshalb bietet ein gebürtiger Münchner Stadtrundfahrten in diesen Präsidentenschaukeln an. Da sollen sich die Gäste wie Promis fühlen und das "echte" New York erleben, so wie Frank Sinatra es besungen hat.

Reportage (Radio hr4, 22.07.2006; hr-iNFO, 29.07.2006):

[Musik: "New York, New York" von Frank Sinatra]

Frankie-Boys Melodie im Sinn, ebenso entspannt wie elegant gleiten wir durch die Straßenschluchten von Manhattan. Mike, unser Chauffeur, lenkt die extra-lange Luxuskarosse mit spielerischer Leichtigkeit um die Kurven. Er macht das seit dreißig Jahren und hatte schon viele berühmte Persönlichkeiten an Bord.

[zum Anhören klicken: O-Ton Limo-Chauffeur Mike, englisch]

"I had a lot of celebrities ...
Da waren Filmstars und Basketballspieler. Fußballspieler. Vor ungefähr 15 Jahren hatte ich die Mannschaft von Bayern München. Ich holte sie vom Helikopter ab und brachte sie zum Plaza Hotel. Ich bin ein großer Fußballfan, und so konnten wir uns die ganze Zeit über Fußball unterhalten.
... could talk about football all day."

Nicht ganz so prominent, aber doch recht anspruchsvoll, ist meist auch die Kundschaft von Erol Inanc. Der Deutsch-Türke lebt seit 15 Jahren in New York und kennt inzwischen fast jeden Winkel der Stadt. Seine Rundfahrt mit der Stretch-Limo kostet zwar gut 100 Dollar pro Person, ist dafür aber ein ganz individuelles Erlebnis.

Limo-Chauffeur Mike
Mit Erol Inanc in der Stretch-Limo
Greenwich Village

[zum Anhören klicken: O-Ton Erol Inanc]

"Auf meinen Touren versuche ich den Gästen die Stadt wie ein Freund zu zeigen. Ich fahr' nicht nur Wahrzeichen mit dem Bus ab, sondern wir fahren mit der Limousine durch die verschiedenen Stadtteile, die meiste Zeit sind wir aus'm Auto draußen und gehen durch die Viertel – oder wie sie der New Yorker nennt: die 'neighborhoods'. Und ich will, dass der Besucher die Stadt auf 'ne echte Art erfährt."

Also lassen wir Empire State Building & Co. links liegen und fahren stattdessen zu den trendigen Vierteln wie Chelsea oder Soho. Diese ehemaligen Industriegebiete sind heute angesagte Wohngegenden. Es gibt keine Wolkenkratzer, dafür viele kleine Geschäfte und Restaurants. Das gilt auch für das East Village, Erols Lieblingsviertel.

[O-Ton Erol Inanc:]
"Im East Village haben wir wirklich Arm und Reich, Schwarz, sehr viele 'hispanics' – Leute aus der Spanisch sprechenden Welt. Und es ist durchaus so multikulturell und so vielseitig bevölkerungsmäßig, weil einfach verschiedene Leute über verschiedene Zeiten ins East Village gezogen sind und hier blieben."

Bei unseren Streifzügen zu Fuß macht uns Erol immer wieder auf die kleinen Dinge am Rande aufmerksam, an denen man sonst achtlos vorbeigelaufen wäre. So zum Beispiel auf eine Galerie von bunten Fliesen im Greenwich Village.

[O-Ton Erol Inanc:]
"Die Ausstellung hier am Zaun nennt sich 'Tiles For America'. Schulkinder aus ganz Amerika haben hier Kacheln beschrieben und bemalt mit der Thematik 11. September, um der Stadt New York Trost zu spenden."

"Tiles For America"
Harlem
Apollo Theater

Weil uns hinter den abgedunkelten Scheiben der Limousine viele interessanten Dinge entgehen würden, steigen wir erst wieder ein, als es auf die lange Strecke nach Harlem geht. Das traditionelle Viertel der Schwarzen liegt am nördlichen Ende von Manhattan. Und es sieht ganz anders aus, als wir es uns vorgestellt haben. Keine abbruchreifen Häuser, keine brennenden Mülltonnen und keine Straßenkinder, die unseren Luxusliner mit Steinen bewerfen. Für Weiße ist Harlem längst keine Tabuzone mehr. Sogar Ex-Präsident Bill Clinton hat hier ein Büro bezogen.

[O-Ton Erol Inanc:]
"Der Clinton wollte eigentlich erst bei der Carnegie Hall in der 57. Straße in Midtown Manhattan. Die Mieten waren horrend teuer. Da hat er aus was Schlechtem was Gutes gemacht und gesagt, ich will ein Zeichen setzen, ich geh' nach Harlem."

Immer mehr Weiße kommen auch hierher, um sonntags einen Gospel-Gottesdienst zu erleben, erzählt Erol, oder mittwochs zur Amateur-Nacht im Apollo Theater.

[O-Ton Erol Inanc:]
"Das ist 'n bisschen wie der römische Circus. Dort treten talentierte Leute auf, und das sehr fachkundige Publikum sagt entweder 'Daumen rauf' oder 'Daumen runter'. Wenn's den Leuten nicht gefällt, wird man von der Bühne geschoben, und wenn's den Leuten gefällt, gibt's Riesenbeifall."

Diese uralte New Yorker Variante von "Deutschland sucht den Superstar" hat schon Künstler hervorgebracht wie Stevie Wonder und Aretha Franklin. Sie machten den amerikanischen Traum wahr. Genau wie Frank Sinatra. Und seine Melodie im Sinn, gondeln wir mit unserer Stretch-Limo zurück ins Hotel. Eine kleine Episode dieses Traums durften auch wir heute erleben.

[Musik: "New York, New York" von Frank Sinatra]

 

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Hier geht's weiter in die Bronx und zur Reportage New York City 2.