Neapel 2


BUON APPETITO!
- kleine Schlemmertour "alla napoletana"

Was wäre Italien ohne seine exzellente Küche? Okay, Sonne, Meer und historische Baudenkmäler in allen Ehren – aber die wahre Liebe zu Italien geht bei vielen doch hauptsächlich durch den Magen. Und gerade die neapolitanische Küche hält besonders leckere Gaumenfreuden bereit. Vor allem, wenn man die Spezialitäten kennt und genau weiß, wo sie am besten zubereitet werden. Gabriella Vitiello und Frank Helbert, Reisebuch-Autoren aus Wiesbaden, leben seit mehreren Jahren in Neapel und müssen quasi von Berufs wegen verkosten, verkosten und nochmals verkosten. Eine beneidenswerte Aufgabe, bei der man sie doch gerne begleitet.

Reportage (Radio hr3, 30.01.2000; hr4, 25.02.2006; hr-iNFO, 04.03.2006):

[Musik: "'Na tazzulella 'e caffè" von Pino Daniele]

'Na tazzulella 'e caffè – ein Tässchen Kaffee. Pino Daniele, die "Stimme Neapels", besingt keinen x-beliebigen Espresso. Der neapolitanische Kaffee ist eine Weltanschauung. Und das gilt ganz besonders für das traditionsreiche Caféhaus "Gambrinus" am ehemaligen Königspalast. Gabriella Vitiello und Frank Helbert machen mich mit dem Geschäftsführer bekannt. Der hat zwar angeblich überhaupt keine Zeit. Dann aber, als wir ihn auf den Mythos des Kaffees ansprechen, ist er nicht mehr zu bremsen.

[O-Ton Arturo Sergio:]
"Tanti fattori perchè ...
Es müssen viele Faktoren zusammenkommen, sagt Arturo Sergio, damit der neapolitanische Kaffee so wird, wie er sein soll – wenig, aber gut. In der Tasse ist nicht viel, aber das ist sehr cremig und geschmackvoll. Wichtig ist auch die Kunst der richtigen Mischung, die wir seit vielen Jahren verwenden. Das sind arabische und brasilianische Kaffeesorten, die geschickt miteinander kombiniert werden. Der süße und der bittere Geschmack ergeben zusammen das ausgewogene Aroma.
... che piace buono."

Und so genießen die Neapolitaner ihren wunderbaren Kaffee nicht nur zum Frühstück, sondern auch mittags, abends und zwischendurch. Es muss nicht immer das vornehme "Gambrinus" sein. Kleine Caféhäuser gibt es an jeder Ecke. Und die locken noch mit anderen Köstlichkeiten – leckeren Gebäckteilchen, von denen Frank sich allzu gerne verführen lässt, wie die "sfogliata".

Café Gambrinus
Sfogliata mit Kaffee
Melanzane alla parmigiana*)

[O-Ton Frank Helbert:]
"Das ist ein herz- oder muschelförmiges Gebäckteilchen, außen knusprig, mit Puderzucker bestäubt, innen mit einer Mischung aus Ricotta-Käse und Zitronat/Orangeat gefüllt. Das ist eigentlich die Spezialität von Neapel."

Ich kann mich nur wundern, dass Frank und Gabi so schlank geblieben sind, denn auch beim Mittagessen langen die beiden ordentlich hin. Die Glastheke ihrer Lieblings-Trattoria "Da Fiorenzano" im Spanischen Viertel ist prall gefüllt. Mit verschiedenen Pasta-Gerichten, mit Meeresfrüchten und einer üppigen Auswahl an Gemüsen von den fruchtbaren Hängen des Vesuvs. Wie soll man sich da entscheiden? Zum Glück habe ich fachkundige Begleitung dabei.

[O-Ton Gabriella Vitiello:]
"Mein Leibgericht sind Artischocken, so wie meine Großmutter sie immer zubereitet hat und sie eigentlich ja auch zubereitet werden. Und zwar werden die Spitzen abgeschnitten, die Artischocke 'n bisschen geöffnet, gefüllt mit Petersilie, Knoblauch, Salz und Pfeffer, dann wieder zugedrückt und im Topf ungefähr eineinhalb Stunden bei mittlerer Flamme gedünstet."

Schaut verdammt gut aus, was Gabi da auf dem Teller hat. Aber auch Franks "melanzane alla parmigiana" lacht mich an: Auberginen, Tomaten, ein wenig Mozzarella aus echter Büffelmilch und viel, viel Parmesan oben drauf. Ich versuche beides und gelobe beim Abendessen kürzer zu treten. Doch als es soweit ist, schwinden schon beim Duft der "pizza margherita" alle guten Vorsätze.

Pizza margherita
Antica pizzeria Port'Alba
Gründungsjahr 1738

[O-Ton Gabriella Vitiello:]
"Die Pizza hier in Neapel wird im Holzbackofen gebacken, noch auf echter Kohle beziehungsweise neben dem Feuer, ist ziemlich groß – noch größer als der Teller. Der Teig ist weich und fest, und belegt ist sie, wenn's dann traditionell ist, nur mit Tomate und Mozzarella."

Wir sitzen in der "Antica pizzeria Port'Alba", wahrscheinlich die älteste Pizzeria der Welt. So genau weiß das nicht mal Gennaro Luciano, der Wirt. Aber die älteste Pizzeria Neapels sei es allemal.

[O-Ton Gennaro Luciano:]
"La pizzeria è fondata ...
Die Pizzeria wurde 1738 gegründet, erzählt er uns stolz, und war zunächst nur eine Pizza-Bäckerei, denn damals gab es noch keine Pizzerien. Die Straßenhändler haben sich die Pizza hier abgeholt und dann in der Stadt verkauft. 1830 wurde es zu einer richtigen Pizzeria mit Tischen und Stühlen auf zwei Etagen. Im Obergeschoss entstand dann das eigentliche Lokal.
... pizzeria che conosciamo."

Die Jahreszahl 1738 steht über dem Eingang. Eher unauffällig – grelle Neonreklame hat die "Antica pizzeria" nicht nötig. Die Neapolitaner kennen sie eh, und dass sie über Neapel hinaus bekannt wird, dafür wollen Gabi und Frank in ihrem Reiseführer sorgen. Dann also: "Buon appetito!" Und zum Abschluss unserer kleinen Schlemmer-Tour – na, was wohl?

[Musik: "'Na tazzulella 'e caffè" von Pino Daniele]

 

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Hinweis:

*) Foto: Frank Helbert

 

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Hier geht's weiter zur Kriminalität und der Reportage Neapel 3.