Neapel 3


GANGSTA'S PARADISE
- sehen und sterben (Version B)

Kaum eine andere Großstadt in Europa verzeichnet so viele Morde wie Neapel. Die Camorra, Neapels Mafia, hält die Stadt im Würgegriff. Auch Kleinkriminalität wie Handtaschenraub ist an der Tagesordnung in den Gassen der Altstadt. Besonders Jugendliche auf ihren Motorrollern treiben dort ihr Unwesen. Müssen Touristen also Angst haben, Neapel nicht mehr lebend zu verlassen? Vorsicht ist auf jeden Fall geboten, aber es besteht kein Grund zur Panik.

Reportage (Radio hr3, 30.01.2000):

[Musik: "Gangsta's Paradise" von Coolio]

Ich muss zugeben, ein flaues Gefühl im Magen hab' ich schon, als ich in Neapel aus dem Flugzeug steige. Die Wertsachen in der Innentasche der Jacke verstaut, den kleinen Tagesrucksack fest im Griff. Man kann ja nie wissen... Und auf dem Weg ins historische Zentrum trägt Taxifahrer Antonio nicht gerade dazu bei, das flaue Gefühl zu verscheuchen. Im Gegenteil.

[O-Ton Taxifahrer Antonio:]
"Sehr gefärrlich. Viele Bandide', Camorra, Mafia. Gelde gestohle', Portemonnaie, Kette', Uhre'. Verstand', was isch mein'? Alles! Alles!"

Ob er auch schon Kontakt mit der Mafia hatte, frage ich Antonio weiter. Nein, winkt er ab. Für die kleinen Leute interessiert sie sich nicht und für die Touristen auch nicht, fügt er in beruhigendem Ton hinzu. Ja, wer muss denn Angst vor der Camorra haben?

[O-Ton Taxifahrer Antonio:]
"Ja, die Leute Kapitaliste'. So aus die Fabrike'. Erst wenn isch hab' so zwanzisch Bus', zwanzisch Bus', dann jede' Monat bezahl' ich Mafia. Sonst – bumm! Bumm! Verstand', was isch mein'? Eine Bombe. Das ist sehr scheiß', mein Freund."

Spricht's und lässt bald darauf selbst die Bombe platzen: Fast doppelt so viel, wie der Taxameter anzeigt, verlangt er. Der Aufpreis sei fürs Gepäck und in Neapel so üblich. Zähneknirschend reiche ich die Scheine 'rüber und beschließe, künftig nur noch Bus zu fahren.

Angst vor der Camorra?
Nepp-Gefahr beim Taxifahren
Banges Gefühl in dunklen Gassen

[Musik: "Gangsta's Paradise" von Coolio]

Diese erste negative Erfahrung bleibt allerdings die einzige in dieser Woche. Keiner trachtet mir nach dem Leben, keiner raubt mich aus, keiner betrügt mich. Andere Touristen können das nur bestätigen.

[O-Töne österr. Studentinnen:]
"Ich könnte mir Kriminalität im Grunde nur vorstellen, wo sie und wie sie existiert, aber persönlich hab' ich in dieser Stadt noch keine Erfahrungen damit gemacht."
"Ich glaube, es is' am Abend und in der Nacht vielleicht nicht ganz ratsam, als Frau alleine nach Hause zu gehen. Aber die Art von Gefahr, auf die überall hingewiesen wird, mit der bin ich nicht konfrontiert worden."

Im vergangenen Jahr allerdings hat ein Fall für Schlagzeilen gesorgt. Auf dem Weg zu seinem Hotel kam ein japanischer Geschäftsmann ums Leben. Vor einer Metro-Station wurde er überfallen und zu Tode geprügelt. Die Gangster hatten es auf seinen Aktenkoffer abgesehen. Es stellte sich aber heraus, dass sie gar nicht aus Neapel kamen, sondern aus Osteuropa. Salvatore Calzanella vom Fremdenverkehrsamt will den Fall deshalb auch nicht überbewerten.

(O-Ton Salvatore Calzanella:)
"Non credo che sia pericoloso ...
Ich glaube nicht, dass Neapel für Touristen sehr gefährlich ist, sagt er. Sie müssen wissen, dass es in New York oder Los Angeles ebenso gefährlich – sogar noch gefährlicher ist als hier.
... che a New York o che a Los Angeles."

[Reportage an dieser Stelle von der Redaktion gekürzt]

 

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