Lake District 3


GEISTESGEGENWÄRTIG
- Besuch des Spukschlosses Muncaster Castle

Am helllichten Tag deutet nichts darauf hin, dass es hier des Nachts spuken soll. Muncaster Castle liegt inmitten eines weitläufigen Parks voller Rhododendren ganz im Westen des Lake Districts, an der Mündung des Esk River in die Irische See. Das Schloss aus dem 13. Jahrhundert ist seit Generationen im Besitz der Familie Pennington. Innen voller kostbarer Möbel, Gemälde, Wandteppiche und Chinoiserien. Doch die meisten Besucher kommen nicht allein deshalb hierher, sondern weil Muncaster Castle in dem Ruf steht, eines der am meisten von Geistern heimgesuchten Schlösser Großbritanniens zu sein. Seit Jahren schon versuchen Erforscher übernatürlicher Phänomene den Spukgeschichten auf den Grund zu gehen. Einige Phänomene (zum Beispiel sonderbare Temperaturschwankungen trotz geschlossener Fenster und Türen) konnten sie bestätigen, eine Erklärung dafür fanden sie allerdings nicht. Die Attraktivität von Muncaster Castle hat dies eher noch erhöht. Statistisch glaubt fast jeder zweite Engländer an Geister. Auch wenn es keiner offen zugibt, so hoffen doch viele Besucher, endlich mal einen leibhaftigen Schlossgeist zu Gesicht zu bekommen.

Reportage (Radio hr4, 31.05.2008; hr-iNFO, 07.06.2008; rbb-INFOradio, 23.08.2008):

[zum Anhören klicken: komplette Reportage]

[Atmo: Steinkauz]

Etwas schaurig klingt er schon, der Steinkauz. Unmittelbar neben dem Schloss hat die Familie Pennington ein großes Eulengehege angelegt. Mehr als 40 Arten aus aller Welt sind dort zu bewundern. Täglich gibt es Vorführungen im Park. Dort steht auch ein 600 Jahre alter Kastanienbaum, einst der Lieblingsplatz des Hofnarren Tom Skelton, genannt "Tom Fool". Er spielte den Leuten gerne böse Streiche.

[O-Ton Peter Frost-Pennington:]
"Tom Skelton used to sit…
Tom Skelton saß gerne unter diesem Baum, erzählt Schlossherr Peter Frost-Pennington, und wenn Sie ihn als Reisender damals nach dem Weg gefragt hätten, hätte er Sie nicht zur sicheren Furt durch den Fluss geschickt, sondern in die gefährlichen Treibsände an den Ufern.
... the quick sands either side."

Ein Gemälde von Tom Fool in Lebensgröße zeigt ihn mit finsterem Blick. Er gilt als eine Art erster böser Geist von Muncaster Castle. Nach seinem Tod jedenfalls begann es im Schloss zu spuken. Besonders in einem der Schlafzimmer, dem Tapestry Room, hören Gäste des Nachts manchmal ein unheimliches Kinderlachen.

[Geräusch: unheimliches Kinderlachen]

Eulenshow im Schlosspark
P. Frost-Pennington mit "Tom Fool"
Tapestry Room

[O-Ton Peter Frost-Pennington:]
"Many people think it is the ghost ...
Viele glauben, es ist der Geist des einzigen Kindes des vierten Lord Muncaster. Das Mädchen starb mit 11, und es schlief in diesem Raum. Viele Leute meinen, es sei das Porträt von Margaret Pennington dort über dem Bett, das immer noch schreit.
... still crying in her bedroom."

Wer mutig und bereit ist, etwas tiefer in die Tasche zu greifen, kann im Tapestry Room übernachten, um vielleicht selbst Zeuge des mysteriösen Phänomens zu werden. Peter Frost-Pennington würde das niemals tun, sagt er. Aber dem Spuk ganz aus dem Weg gehen, kann er auch nicht.

[O-Ton Peter Frost-Pennington:]
"I have experienced various other things …
Mir sind andere Dinge im Schloss widerfahren. Ich glaube, Tom Fool spielt mir Streiche. Er ist sehr gut darin, technische Geräte kaputt zu machen. Manchmal hört man Schritte, und Türen gehen ohne jeden Grund auf und zu; Klinken bewegen sich und man denkt, jemand kommt herein, aber da ist niemand. Solche Sachen eben. Dieser Türknauf hier hat sich gedreht, aber es war niemand im Zimmer.
... there was no one in the room."

[Geräusch: quietschende Tür]

Halle von Muncaster Castle
Bibliothek
Blick zum Fluss

 

Bei unserem Rundgang durch Muncaster Castle allerdings ist es verdächtig ruhig. Die Geister bleiben in ihrem Versteck. Und auch anderen Besuchern haben sie sich nicht gezeigt.

[O-Ton Tourist:]
"I have not met a ghost today ...
Ich hab’ keinen Geist gesehen. Wahrscheinlich alles dummes Zeug. Aber sogar der Schlossherr will in diesem Zimmer nicht schlafen. Anscheinend ist er sehr ängstlich.
... more afraid than anything else." 

[O-Ton Touristin:]
"Not when we were wandering quite now …
Kein Spuk heute. Aber in dem einen Schlafzimmer herrscht wirklich eine seltsame Atmosphäre. Wahrscheinlich kommt der Geist nur von Zeit zu Zeit.
… visiting from time to time." 

[O-Ton Touristin:]
"I’m afraid not. The sun is definitely shining too much."

Die Sonne scheint einfach zu hell. Vielleicht sollte man doch bei Dunkelheit wiederkommen, um die merkwürdigen Geräusche zu hören. Vielleicht aber sind es auch nur die Eulen.

[Atmo: Steinkauz]

 

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