Lake District 2


GESCHICHTSTRÄCHTIG
- Seekreuzfahrt mit dem Dampfer "Gondola"

Neben dem Wandern wird im Lake District der Wassersport ganz groß geschrieben. Segeln, rudern, Kanu fahren gehören auf den Seen für viele Urlauber selbstverständlich dazu. Und auch wer es weniger sportlich, sondern etwas gemütlicher mag, kommt auf seine Kosten. Zum Beispiel bei einer Dampferfahrt. Aber alle diese so genannten Dampfer werden in Wirklichkeit von Dieselmotoren angetrieben. Alle bis auf einen: Die "Gondola" auf dem Coniston Water fährt tatsächlich noch mit Dampf. Mitte des 19. Jahrhunderts transportierte sie Eisenerz und Kohle für ein Bergbauunternehmen. Danach lange Zeit vergessen und abgewrackt, wurde sie 1980 als Passagierschiff wieder in Betrieb genommen. Seither kreuzt der geschichtsträchtige Dampfer mehrmals täglich auf dem drittgrößten See des Lake Districts – wie in alten Zeiten.

Reportage (Radio hr4, 31.05.2008; hr-iNFO, 07.06.2008; rbb-INFOradio, 23.08.2008):

[zum Anhören klicken: komplette Reportage]

[Atmo: Tuten der "Gondola"]

Ein lautes Tuten und die Pleuel im Bauch des Schiffes setzen sich in Bewegung. Früher wurde die "Gondola" mit Kohle befeuert, heutzutage – umweltfreundlich – mit Holzabfällen. Nicht nur ihr Dampfantrieb macht sie einzigartig, sondern auch die ungewöhnliche Form einer venezianischen Gondel.

[O-Ton Paul Stearne:]
"There isn’t another gondola of this style …
Es gibt auf der ganzen Welt keine Gondel wie sie, sagt Paul Stearne, der Steuermann. Nicht mal in Venedig haben sie so ein Boot. Wir hatten mal ein paar Venezianer an Bord, die staunten nicht schlecht. Auch bei ihnen sind die Dampfer durch Motorboote ersetzt worden. Diese Gondel ist die letzte. Es gibt keine mehr wie sie.
… there’s not another one like it."

86 Passagiere fasst die "Gondola", und die können in aller Gemütsruhe die herrliche Kulisse des südlichen Lake Districts an sich vorüberziehen lassen. Das Ufer des Coniston Water ist kaum besiedelt und deshalb noch fast so naturbelassen wie in den Jugendtagen der "Gondola", im Zeitalter von Queen Victoria. Am meisten beeindruckt der gut 800 Meter hohe Hausberg, der Coniston Old Man.

Befeuerung mit Holzabfällen
Paul Stearne
Blick auf den Coniston Old Man

[O-Ton Paul Stearne:]
"We've got lots of people ...
Es gibt viele Leute, die klettern hoch, sitzen auf dem Gipfel, sehen die "Gondola" vorbeifahren und hören das Tuten. Dann denken sie, oh, da wollen wir auch mitfahren. Sie kommen runter, steigen aufs Boot und es ist wunderbar.
... on the boat and it's wonderful."

So gemächlich wie mit der "Gondola" ging es allerdings nicht immer zu auf dem Coniston Water. Ende der 1960er Jahre versuchte ein gewisser Donald Campbell den Geschwindigkeitsrekord für Wasserfahrzeuge zu brechen. Er bezahlte den Versuch mit seinem Leben.

[O-Ton Paul Stearne:]
"He was returning from the south end …
Er war auf dem Weg zurück vom Südende des Sees zum Nordende. Nur rund 150 Meter vor dem Ziel verunglückte er. Und erst vor ein paar Jahren haben Taucher das Boot auf dem Grund des Sees gefunden. Ich glaube, es wird restauriert und soll bald hierher zurückkommen, damit die Leute es sich im Museum von Coniston anschauen können.
… for people to come and see."

In der Villa von John Ruskin
Garten von Brantwood House
Blick zurück auf Brantwood House

Kurz vor dem Ende der Kreuzfahrt machen wir Station am Brantwood House. Wir gehen von Bord und besuchen die ehemalige Villa von John Ruskin. Er war Dichter, Denker, Maler und Kunstmäzen. Ein Teil seiner Sammlung wird noch immer hier aufbewahrt und kann besichtigt werden. Fast noch schöner als die Gemälde aber sind der Garten um das Haus und der herrliche Seeblick.

[O-Ton Sheila Clark:]
"Ruskin bought this house because …
Ruskin kaufte das Haus, weil er den Lake District gut kannte, erzählt Sheila Clark vom Museum in Brantwood House. Er war mit sieben Jahren zum ersten Mal hier. Deshalb kannte er die Gegend und war sehr beeindruckt von ihr. Wegen der tollen Aussicht hat er das Haus gekauft.
.… for the view he bought it."

Leider bleibt kaum Zeit, wie einst John Ruskin die Aussicht über den Coniston Water auf das Dorf Coniston und den Coniston Old Man so richtig zu genießen. Denn die "Gondola" unten am Bootssteg, sie wartet nicht.

[Atmo: Tuten]

 

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