Elm und Umgebung 3


WO EINST DER LÖWE LOS WAR
- Stadtrundgang durch Braunschweig

Bedeutendste Stadt in der Elm-Region (Kreuzworträtsel-Freunde ahnen es bereits) ist Braunschweig – mit knapp einer Viertelmillion Einwohnern zugleich die zweitgrößte Stadt des Landes Niedersachsen. Schon im 12. Jahrhundert erlangte sie große Bedeutung, denn hier residierte der Sachsenherzog Heinrich der Löwe. Der Welfe war zunächst mächtigster Verbündeter und später mächtigster Gegner des Staufer-Kaisers Friedrich Barbarossa. Seiner Stadt Braunschweig verlieh Heinrich wichtige Handelsprivilegien, durch die sie Reichtum und Ansehen erwarb. Und bei einem Stadtrundgang kann man feststellen, dass der Löwe deutliche Spuren hinterlassen hat.

Reportage (Radio hr4, 03.10.2009):

[zum Anhören klicken: komplette Reportage]

Wir treffen Stadtführerin Renate Timmermann vor dem Altstadtrathaus. Sie macht kein Hehl daraus, dass "Heinrich der Löwe" ihr Lieblingsthema ist, wenn sie Gäste durch Braunschweig begleitet. Sie weiß alles über den Welfenherzog, natürlich auch warum er der "Löwe" genannt wurde. Jedenfalls nicht wegen seiner langen Mähne.

[O-Ton Renate Timmermann:]
"Nein, es zeigt die Wertschätzung seiner Zeitgenossen. Er hat in Rom bei der Kaiserkrönung von Barbarossa ungeheuer tapfer gekämpft, wie ein Löwe, um den Kaiser zu schützen."

Eine Steinfigur an der Fassade des Rathauses zeigt Heinrich in der Pose eines stolzen Herrschers. Er war nur ein Herzog, doch er trat auf wie ein König. Nicht umsonst wählte er als Wappentier den König der Tiere. Vor seiner Burg Dankwarderode steht noch heute eine Nachbildung des Bronzelöwen, den Heinrich dort aufstellen ließ. Das Original zeigt uns Renate Timmermann im Museum der Burg:

[O-Ton Renate Timmermann:]
"Das ist der richtige, echte Löwe von 1166. Der hat damals ganz gewaltig Furore gemacht. Es war die erste freistehende Plastik nördlich der Alpen. Alles, was Sie sonst sehen, ist immer in einem Gebäude oder in Verbindung mit einem Gebäude. Er stellte den frei auf, um die Leute zu beeindrucken."

[Atmo: Domgeläut]

Bronzelöwe vor Burg Dankwarderode
Langhaus des Doms
Heinrichs Grab in der Krypta

Noch beeindruckender als der bronzene Löwe ist allerdings der Braunschweiger Dom. Heinrich hat ihn gestiftet, nachdem er von einem Kreuzzug aus Palästina zurückgekehrt war. Die romanische Basilika sollte als Grablege der Welfen dienen. Renate Timmermann führt uns deshalb hinunter in die düstere Krypta.

[O-Ton Renate Timmermann:]
"Hier sind Heinrich der Löwe und seine Frau Mathilde begraben, in zwei Steinsärgen. Einer ist original aus dem 12. Jahrhundert, der andere wurde in den Dreißiger Jahren angefertigt für die Überreste eines vergangenen Holzsarges."

Seit Heinrichs Tod ist der Dom mehrmals umgebaut worden, aber aus dem 12. Jahrhundert stammen noch das Langhaus, das Querhaus, die achteckigen Türme und ein Altar.

[O-Ton Renate Timmermann:]
"Heinrich der Löwe hat 1188 diesen Marienaltar gestiftet. Der besteht aus einer Marmorplatte und fünf Bronzefüßen, wobei der fünfte Fuß in der Mitte keine Tragefunktion hat, er ist aber hohl und enthält eine Bleikapsel mit den Reliquien."

Der Sachsenherzog war ein frommer Mann. Er unternahm auch einen Kreuzzug gegen slawische Stämme im Osten, um sie zu unterwerfen und zu christianisieren. So baute er seinen Machtbereich systematisch aus. Und was Heinrich der Löwe selbst nie erreichte, schaffte zumindest sein dritter Sohn: Der wurde 1209, also vor genau 800 Jahren, als Otto IV. zum römisch-deutschen Kaiser gekrönt. Auch darauf sind die Braunschweiger bis heute stolz.

 

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