Easy Rider 2


GANZ NORMALER WAHNSINN
- der Tag zwischen Zelt und Bike

Wie läuft sie ab – eine Biker/Camping-Tour durch den amerikanischen Westen? Eigentlich ganz normal. Und doch der totale Wahnsinn. Morgens raus aus dem Schlafsack. Abends wieder rein in den Schlafsack. Und dazwischen: biken, biken und nochmals biken. Eine monotone Vielseitigkeit oder eine vielseitige Monotonie – das kommt ganz auf das Auge des Betrachters an.

Titelfoto: Allabendliches Zeltaufbauen

Reportage (Radio hr3, 17.08.1997):

(Geräusch: Zelt-Reißverschluss)

Reißverschluss auf, erst mal schauen, wie das Wetter heute ist. Zwar erst halb sieben, aber die Sonne brennt schon wieder unbarmherzig vom Himmel herab.

[Atmo Motorrad-Touristen Hans und Herbert:]
"Moin, moin, Jungs. Wie geht's euch?"
"Gu'n Moign. Seid's aa scho' wach?"

Das waren Hans aus Ostfriesland und Herbert aus Oberbayern. Also, raus aus dem Zelt. Roger, unser Reiseleiter wartet sicher schon mit dem Frühstück. Er sieht aus wie Seewolf Raimund Harmstorf, kommt aus der Schweiz und hat trotzdem nicht die Ruhe weg. Jeden Morgen drängelt er, dass wir endlich los kommen, denn die Tagestouren sind manchmal ganz schön lang.

[Atmo Motorrad-Tourguide Roger:]
"Heutige Etappe ungefähr 310 Kilometer. Campingplatz raus, links ..."

Während die letzten noch an ihren Sandwichs oder Muffins kauen, setzt Roger schon zum morgendlichen "briefing" an. Damit sich auch keiner unterwegs verirrt und alle seine Schäfchen abends am Etappenziel den Campingplatz finden.

[Atmo Motorrad-Tourguide Roger:]
"... die 64 Richtung Grand Canyon."

Jetzt noch schnell den Schlafsack einrollen, das Zelt abbauen und die Gepäcktaschen vor den Van stellen, damit Roger sie einladen kann. Auf dem Motorrad mitnehmen müssen wir nur, was wir tagsüber so brauchen. Die Regenkombi gehört (heute jedenfalls) nicht dazu. Schon eher eine große Flasche Mineralwasser, bei der Hitze.

[Geräusch: startende Motorräder]

Und ab geht's durch die Mitte. Wie immer in zwei Gruppen. Das hat sich irgendwie so ergeben und ist auch praktischer als alle Neune hintereinander her zu fahren. Vor allem beim Überholen. Knapp fünf Stunden sitzen wir so im Sattel unserer Yamahas, nur von zwei, drei Tankstopps und einer Mittagsrast unterbrochen. Als wir schließlich am späten Nachmittag das Tagesziel erreichen, fühlen wir uns ziemlich geschlaucht.

Morgens Zelt abbauen
Rogers Camping-Küche
Fütterung der Raubtiere

[O-Ton Motorrad-Tourist Herbert:]
"Wenn mer längere Zeit foahrt, dut der Hintern weh."

Jetzt ein kühles Bier aus Rogers eisgekühlter Getränkebox. Dann fällt das lästige Zeltaufbauen leichter. Manchmal jedenfalls.

[Atmo-Ton Motorrad-Tourist Hans:]
"Alte Scheiße, nee du! Die Häringe geh'n wieder schwer rein!"

Und während wir uns noch abmühen, die widerspenstigen Dinger in den beinharten Erdboden zu treiben, steigt uns bereits ein köstlicher Duft in die Nase.

[Atmo-Ton Motorrad-Tourguide Roger:]
"Die Speise wird gereicht! Kommen Sie, kommen Sie, kommen Sie!"

Gebratenen Lachs gibt's heute, mit Reis und Salat. Roger hat sich wieder mal selbst übertroffen. Seine Kochkünste versetzen uns immer wieder aufs Neue in Erstaunen.

[O-Ton Motorrad-Touristin Britta:]
"Ich hab' echt erwartet, dass es jeden Tag – nicht mal unbedingt Steaks gibt, sondern irgendwas aus der Dose. Bohnen oder Eintopf oder solche Sachen. Aber der Roger kocht wirklich super."

Zum Glück hab' ich heute keinen Spüldienst. Und so kann ich mit ein paar anderen nach dem Abendessen zum gemütlichen Teil übergehen. Das Lagerfeuer knistert schon, Guido packt seine Bongo-Trommel aus, und wir fühlen uns wie eine Horde Sioux, die müde, aber erfolgreich vom Kriegspfad zurückgekehrt ist.

[Atmo: Bongo-Trommel und Indianer-Gesänge]

 

 

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Hier geht's zur zweiten Hälfte der Tour und der Reportage Easy Rider 3.