Deutsche Alpenstraße 1


DES KÖNIGS TRAUM
- Besuch auf Burg Falkenstein bei Pfronten

Auf einem steilen Felssporn hoch über Pfronten im Allgäu thront eine der Top-Attraktionen der Deutschen Alpenstraße – und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn Burg Falkenstein ist die höchstgelegene Burgruine Deutschlands: 1277 m hoch, um es genau zu sagen. Einst im Mittelalter unter den Bischöfen von Augsburg erbaut, wurde sie im Dreißigjährigen Krieg zerstört, damit sie nicht den feindlichen Schweden in die Hände fallen konnte. Viel ist nicht übriggeblieben von der einst stolzen Burg. Trotzdem kommen zahlreiche Besucher hier herauf. Nicht nur wegen der tollen Aussicht.

Reportage (Radio SWR4 RP, 18.10.2020):

Ein 360-Grad-Panorama tut sich auf. Gefühlt kann man von hier oben das ganze Allgäu überblicken. Wenn das Wetter mitspielt, reicht der Blick bis zum Schloss Neuschwanstein bei Füssen. Die zahlreichen Besucher sind beeindruckt.

[Umfrage:]
"Toll, super."
"Heute etwas trübe. Wir kommen aus den Dolomiten hier rüber und sind überrascht, wie voll es hier ist."
"Sehr kontrastreich, würd' ich sagen, ganz andere alpine Landschaft als an der Südseite."

In diese Gegend verliebt war schon Bayernkönig Ludwig II. 1882 kaufte er die Burgruine. Hier auf dem Falkenstein sollte sein viertes Märchenschloss entstehen (nach Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee). Die Baupläne waren schon fertig, erzählt Anton Schlachter. Er betreibt ein Hotel unterhalb der Burg und kennt sich bestens mit ihrer Geschichte aus.

[zum Anhören klicken: O-Ton Burgführer Anton Schlachter]

"Er wollte da oben die Gralsburg, eine unverschämt schöne Burg, wollte er da bauen, eine Art Traum von Burg, aber nur für sich allein, und das war natürlich ein Dorn im Auge von der Regierung in München und natürlich auch von den Wittelsbachern."

Blick vom Falkenstein auf Pfronten
Modell der "Gralsburg" im Museum
Hotel zu Füßen der Burg

Aber der "Kini", wie die Bayern ihn noch heute liebevoll nennen, war drauf und dran seinen königlichen Willen durchzusetzen. So ließ er bereits eine Zufahrtsstraße bauen. Dabei soll er streng darauf geachtet haben, dass sie nicht zu steil wird.

[O-Ton Anton Schlachter 1:]
"Des war ganz raffiniert vom König Ludwig ausgetüftelt, weil er sagte sich, wenn i mit meine Pferdl da hoch fahr', dann müssen die nicht so arg schnaufen, denn da mach' mer die Pferde kaputt. Also hat er gesagt, da mach' mer eine geringe Steigung, und da halten des die Pferde aus. Des war der ganze Trick."

Ebenfalls schon fertig war die Wasserleitung von Pfronten herauf zur Burg. Ein Riesenaufwand wurde dafür betrieben:

[O-Ton Anton Schlachter 2:]
"Da hat er den Fels aufgemeißelt, und die Leitung liegt heute noch drin zwischen 2,50 m und 3,50 m im Fels, in einem Keil eingebettet. Heute noch sicher, und von der Leitung kriegen wir heute noch das Wasser auf dem Falkenstein."

Nur durch den ebenso frühen wie mysteriösen Tod des Königs wurden seine Pläne von der Gralsburg vereitelt. Wie sie hätte aussehen sollen, zeigt ein Modell im Burgmuseum neben dem Hotel von Anton Schlachter. Ein zweites Neuschwanstein wäre hier anstelle der Burg Falkenstein entstanden – und zwar mit einem 360-Grad-Panorama.


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