Xanten 2


KLAPPERN GEHÖRT ZUM SCHUHWERK
- historischer Stadtrundgang mit Klompen

Sie gehören zu Holland wie Windmühlen, Tulpen und Käse: Klompen, die traditionellen gelben Holzschuhe, wie "Frau Antje" sie trägt. Doch nicht nur in den Niederlanden, auch am Niederrhein hat man sie bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts getragen. Sie waren ganz aus Holz – meist Pappelholz – geschnitzt und hatten oben einen Riemen aus Leder. Auch in Xanten gehörten die Klompen zum Alltag. Heutzutage sieht man sie allerdings kaum noch – es sei denn bei einem historischen Stadtrundgang mit Monika Wirtz. In Holzschuhen klappert sie die Sehenswürdigkeiten ab und erklärt dabei noch die Herkunft vieler bekannter Redewendungen. Wer sie begleiten will, muss ebenfalls in hölzerne Klompen schlüpfen. Ein Laufgefühl wie anno dazumal, das bei älteren Besuchern aus der Umgebung von Xanten nostalgische Erinnerungen weckt.

Titelfoto: Blick durch die Klever Straße

Reportage (Radio hr4, 20.09.2008):

[zum Anhören klicken: komplette Reportage]

[O-Ton Besucherin:]
"Ich bin in Ossenberg zur Schule gegangen, und wir sind noch mit Holzschuhen in die Schule gegangen. Und dieser Lederriemen, das war auch ein gewisser Zweck, denn wenn die Holzschuhe zu groß waren, wurde der Lederriemen so befestigt, dass sie passten, und dann wieder entsprechend erweitert, damit die Holzschuhe lange passten; man konnte ja nicht wie heute die Schuhe so schnell wechseln."

Alle ausgerüstet mit passenden Klompen, wollen wir unseren Rundgang starten – am Klever Tor, einem Stadttor aus dem 14. Jahrhundert. Doch in letzter Minute eilt noch ein Ehepaar herbei – in Torschlusspanik, meint Monika Wirtz. Gelegenheit für sie, die Herkunft des Wortes zu erläutern. Heute benutzt man es meist, wenn eine Frau Angst hat, keinen Mann mehr zu finden, aber früher habe man es ganz wörtlich gemeint:

[O-Ton Monika Wirtz:]
"Der Ursprung ist wirklich die Angst, das nicht mehr zu schaffen, bevor die Stadttore abends geschlossen wurden, nicht mehr schaffen hineinzukommen, denn wenn ich innerhalb der Stadt war, konnte ich wirklich halbwegs sicher nächtigen, egal wo, aber ich war zumindestens vor all den Gefahren draußen beschützt."

[Atmo: Klappern der Holzschuhe]

Und so klappern wir endlich los, durch die Klever Straße und das Mitteltor, vorbei am Gotischen Haus zum Marktplatz. Er wird überragt von den beiden Spitztürmen des mittelalterlichen Doms. Tief unter dem Fundament ruht sein Namenspatron, der Heilige Viktor. Er war ein römischer Legionär, der wegen seines christlichen Glaubens zusammen mit anderen Leidensgenossen den Märtyrertod starb.

[O-Ton Monika Wirtz:]
"Da sind also die Gräber der Heiligen – bei den Heiligen – und aus ad sanctos ist dann Xanten im Laufe der Sprachentwicklung entstanden. Und in diesem Xanten stehen wir jetzt, und ich möchte mit Ihnen jetzt in diese Richtung weiterklappern, und dann werden wir horchen, wie es dann weiterging mit der Geschichte in Xanten."

Klompen-Führerin Monika Wirtz
Marktplatz vor dem Dom
Vor der Kriemhildmühle

Weiter geht es über das Domkapitel, wo früher die Stiftsherren residierten, vorbei am Arme-Mägde-Haus zur Kriemhildmühle. An der Stadtmauer neben der alten Windmühle hängt eine Bronzetafel mit Szenen aus dem Nibelungenlied. Eines der Reliefs zeigt den Mord an Siegfried. Aber ob es den sagenhaften Drachentöter aus Xanten wirklich gegeben hat, das kann auch Monika Wirtz nicht mit Sicherheit beantworten.

[O-Ton Monika Wirtz:]
"Wir wissen eigentlich nur das, was in den Nibelungen steht, in der einen Strophe, also dass Siegfried hier seine Jugendjahre verbracht haben soll, aber wenn Sie jetzt so etwas suchen wie eine Burg oder ein Schloss oder irgendwas, dann werden Sie hier in Xanten nichts finden."

Von der Kriemhildmühle sind es nur noch wenige Meter zurück zum Klever Tor. Gut eine Stunde haben wir mit Klompen an den Füßen etliche Sehenswürdigkeiten abgeklappert. Nicht ganz so bequem wie mit Turnschuhen, aber Blasen hat sich keiner gelaufen.

[O-Ton Tourist:]
"Null Probleme. Die sind natürlich gewöhnungsbedürftig, weil sie oben nicht elastisch sind, aber ich hab 'ne ausreichende Größe, und dadurch, dass die die Socken noch zusätzlich zur Verfügung stellen, ist das überhaupt kein Problem."

Jedenfalls hat am Ende niemand die Nase voll. Unsere Stadtführerin erklärt trotzdem, woher die Redewendung kommt. Doch wer jetzt neugierig geworden ist, der soll am besten selbst in die Klompen schlüpfen und mit Monika Wirtz durch Xanten klappern.

 

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