Schaumburg-Lippe 4

EIN STEINBRUCH VOLLER DINOS
- die Fußstapfen der Urviecher auf dem Bückeberg

Quasi die letzte Erhebung des Weserberglands, bevor die norddeutsche Tiefebene beginnt, ist der Bückeberg bei Obernkirchen. Seit mehr als tausend Jahren wird dort Sandstein abgebaut. Sogar im Kölner Dom steckt Material vom Bückeberg. Aber erst 2007 wurden im Steinbruch Fußabdrücke von Dinosauriern entdeckt – und zwar so viele, kreuz und quer, dass die Paläontologen sich an das Gescharre auf einem Hühnerhof erinnert fühlten. Ganze Herden von Dinos, ausgewachsene wie Jungtiere, müssen über den Boden des heutigen Schaumburger Lands spaziert sein. Unter Experten gilt der Bückeberg deshalb als eine der bedeutendsten Dino-Fundstätten in ganz Deutschland. Bei einer Führung kann man buchstäblich in die Fußstapfen der Urviecher treten, und es werden Erinnerungen wach an das berühmte Filmspektakel "Jurassic Park".

Reportage (Radio hr4, 20.07.2013):

[Musik: Soundtrack aus "Jurassic Park"]

Wir reisen zurück in der Zeit, weit zurück, in die Unterkreide, vor etwa 140 Millionen Jahren. Es herrscht ein feucht-warmes Tropenklima. Den Bückeberg, den gibt's noch nicht. Stattdessen eine flache Lagunenlandschaft mit vielen kleinen Inseln, Sand und Geröll. So beschreibt es Dino-Führerin Wiebke Klapp:

[zum Anhören klicken: O-Ton Wiebke Klapp]

"Da tummeln sich Krokodile, fünf bis acht Meter lang. Es gibt Schildkröten, Muscheln sind im feuchten Sand. Die ersten Libellen schwirren in der Luft, und zwischen diesen Inseln bewegen sich dann die Iguanodon-Herden. Und diese Fährtenzüge, wie die Iguanodons von Insel zu Insel ziehen, die Abdrücke können wir hier auf der Fährtenplatte sehen."

Gewaltige Echsen waren das, die Iguanodons. Pflanzenfresser zwar, aber bis zu fünf Meter hoch, acht Meter lang und fünf Tonnen schwer. Sie hatten einen kurzen Hals und eine Art Entenschnabel. Eine weitere Besonderheit waren ihre Gliedmaßen:

[O-Ton Wiebke Klapp:]
"Es waren Tiere, die sich auf zwei Beinen bewegten, auf den Hinterbeinen. Die Vorderbeine oder die Hände dienten nur zur Abstützung, wenn's unsicher wurde, was man hier sehr schön sehen kann auf der Fährtenplatte. Die Hände selber waren auch fünfgliedrig wie unsere jetzigen auch, allerdings waren die drei mittleren Finger in einer Haut zusammen. Der kleine Finger war sehr beweglich, diente zum Abreißen von Blättern. Und der Daumen war eher wie ein Stachel ausgebildet."

Steinbruch auf dem Bückeberg
Fußstapfen eines Iguanodons
Allosaurus und Iguanodon

Schließlich mussten sie sich verteidigen. Gegen Fressfeinde. Denn auch die hat es am Bückeberg gegeben: Raptoren und Allosauren – urzeitliche Bestien, die mächtig Appetit hatten auf Iguanodons. Ihre Fußabdrücke unterscheiden sich deutlich von denen der Vegetarier:

[O-Ton Wiebke Klapp:]
"Die Fährten der Pflanzenfresser sind rund, drei runde Zehen, sehr behäbig, so kann man's ausdrücken. Die Fleischfresser mussten natürlich schnell sein, wendig, es waren schlanke Zehen, und man kann sogar die Krallenabdrücke sehen, es ist eine ganz andere Trittsiegelform."

Dass die Abdrücke so gut erkennbar sind, ist wohl dem damaligen Klima zu verdanken, das auch schon so manche Wetterkapriolen bereithielt:

[O-Ton Wiebke Klapp:]
"In dem Moment, wo die Iguanodon-Herden hier langgelaufen sind, muss seit mindestens einer Woche etwa kein Regen gewesen sein, weil der Boden angetrocknet war. Das kann man sich vorstellen wie im Watt. Wenn das Wasser weggeht, trocknet diese Wattlandschaft ja so ein bisschen an und wird brüchig. Wenn man aber drauftritt, sinkt man ein. Danach kam sehr wahrscheinlich eine große Sturmflut und brachte nicht nur so ein bisschen Regen, sondern ganz viel Sand und Geröll, sodass diese Vertiefungen wie ausbetoniert wurden und so erhalten geblieben sind. Sie sind nicht verwaschen, und das ist ziemlich einmalig, so gute Funde."

[Musik: Soundtrack aus "Jurassic Park"]

 

_______________________________________________________________________________________

Hier geht's zurück zum Start.