Oberlausitz 4

RAUS KOMMEN SIE IMMER
- Kleinwelka: Deutschlands größter Irrgarten

Das Dorf Kleinwelka vor den Toren von Bautzen hat sich zum Familien-Freizeit-Mekka der Oberlausitz entwickelt. Es gibt einen Dinosaurier-Park, einen Miniaturen-Park, und es gibt den größten Irrgarten Deutschlands. Am Anfang war eine "Spinnifax-Idee", sagt Regina Frenzel, die Inhaberin, schmunzelnd. Daraus geworden ist ein mehr als 5.000 Quadratmeter großes Labyrinth. Seit 14 Jahren schon versuchen "Irrläufer" aller Generationen, den kürzesten Pfad durch das Gewirr aus Koniferen-Hecken zu finden. Und wenn sie es endlich geschafft haben, können sie hinterher noch das Abenteuer- und das Rätsellabyrinth in Angriff nehmen. Aber, Vorsicht: verirren ist menschlich. Mathematiker haben errechnet, dass es allein im Heckenlabyrinth mehr als 30.000 Irrwege gibt. So kann schon mal ein halber Nachmittag draufgehen, bis man den Ausgang gefunden hat. Doch nur Angsthasen kaufen am Kassenhäuschen die Karte mit dem Lageplan. Ist auch gar nicht nötig, denn raus gekommen ist bisher noch jeder. Der schnellste sogar in sechseinhalb Minuten! Eine Gruppe von sieben Grundschülern aus dem sächsischen Großdubrau hat die Herausforderung angenommen, und wir haben sie dabei begleitet.

Reportage (Radio hr4, 16.09.2006; rbb-INFOradio, 03.02.2007):

[zum Anhören klicken: komplette Reportage]

Es ist eine wilde Rasselbande. Sie können's kaum erwarten, den schnellsten Weg durchs Labyrinth zu finden. Aber bevor es richtig losgeht, sollen sie sich erst einmal vorstellen:

[O-Töne Kinder:]
"Lars."
"Der Justin."
"Der Toni."
"Der Felix."
"Der Sebastian."
"Der Moritz."
"Der Till."

Und dann sind die Jungs nicht mehr zu halten. Einer immer voran. Die anderen im Laufschritt hinterher. Bis zur ersten Abzweigung. Und schon gibt es Diskussionen:

[Atmo:]
"Rechts! Links! Nein, rechts!" – "Rechts!" – Nein! Wir gehen in die rechte." – "Na, gut, rechts."

Und wieder rennen die ersten los, die andern sind etwas unentschlossen.

[Atmo:]
"Und habt ihr den Eindruck, die wissen, wo's lang geht?" – Nein." – "Na jaaa." - Nö, wir irren jetzt irgendwo hier 'rum. Irgendwann finden wir schon das Ziel."

Aber ein paar Minuten später stehen wir wieder vor dem Eingang.

Heckenlabyrinth
Abenteuerlabyrinth
Im Märchenlabyrinth

[Atmo:]
"Wir sind im Kreis gegangen." – "Wir müssen in die andere Richtung wieder gehen." – "Also, nochmal zurück."

Wenn die verdammten Hecken nur nicht so dicht und so hoch wären! Aber die Jungs sind schlaue Burschen.

[Atmo:]
"Was macht ihr denn jetzt?" – "Räuberleiter!" – "Da kann der Basti genau sehen, wo wir sind." – "Hier lang, der Basti hat geguckt."

Die Räuberleiter kommt noch ein paarmal zum Einsatz.

(Atmo:)
"Soll ich mal? Ich bin leicht." – "Siehst du was?"

Das Ziel ist immer noch in weiter Ferne. Andere Gruppen haben uns längst überholt. Einige ihrer Klassenkameraden stehen schon auf der Brücke, die zum Ausgang führt. Auch ihre Lehrerin. Sie könnte jetzt von oben dirigieren.

[Atmo:]
"Frau Grossmann, wo geht's 'n lang?"

Sie deutet nach rechts. Und die ganze Bande schwenkt erleichtert in die angegebene Richtung. Allerdings ohne nachhaltigen Erfolg.

[Atmo:]
"Frau Grossmann! Wir kommen nicht weiter mit Ihrem komischen Tipp!."

Das Team zeigt erste Auflösungserscheinungen.

Räuberleiter
Lageplan (für Angsthasen)
Riesenrutsche zum Abschluss

[Atmo:]
"Der Felix und der Justin, wo sind'n die jetzt hin?

Und es zeigt erste Anzeichen von Schwäche.

[Atmo:]
"Ich hab' Hunger!"

Vielleicht hätten wir Proviant mitnehmen sollen. Oder wenigstens die Karte für Angsthasen? Nein! Denn plötzlich taucht die erlösende Brücke doch noch vor uns auf. Gott sei Dank! Zur Belohnung gibt's eine Fahrt mit der Seilbahn quer übers Gelände.

[Atmo:]
"Das macht Spaß!"

Die Stimmung ist wieder bestens. Klar, dass wir nun auch noch die beiden anderen Labyrinthe in Angriff nehmen. Zuerst ein bisschen klettern, ein bisschen balancieren – das Abenteuerlabyrinth haben wir in Nullkommanix überwunden. Das Rätsellabyrinth dagegen ist schon etwas kniffliger.

[Atmo:]
"In welchem Märchen rief der Hahn: 'Kikerikiii! Unsere goldene Jungfrau ist wieder hie!'?" – "Und welche werden da zur Auswahl gegeben?" – "L: Aschenputtel; E: Die Bremer Stadtmusikanten; D: Frau Holle. Die richtige Antwort ist Aschenputtel... nee, Frau Holle." – "Sicher?" – "Ja.

Also D merken und auf zum nächsten Rätsel, bis wir alle Buchstaben für das Lösungswort gefunden haben. Doch aufgepasst: Irren heißt hier gleichzeitig verirren, denn nur der richtige Buchstabe weist auch den richtigen Weg. Zum Glück kennen die Jungs ihre Märchen.

[Atmo:]
"Der Wolf und die sieben Geißlein. R." – "Leder!" – "Leder!" ­– "Leder!" – "Leder! Wie Fußball-Leder, das Leder vom Fußball."

Super gemacht! Vom Ziel trennt uns jetzt nur noch eine Riesenrutsche. Dann haben wir's endgültig geschafft.

[Atmo:
"Gut!" – "Cool!" – "Gutgutgutgutgut!" – "Bloß, dass wir keine Karte gekriegt haben." – "Und dass wir immer im Kreis gelaufen sind." – "Wir sind immer im Kreis gelaufen, und das war scheiße!"

Fazit: Eine Dreiviertelstunde haben wir gebraucht. Der Rekord war nie in Gefahr, aber verloren gegangen ist auch keiner, und das ist die Hauptsache. Deshalb sind wir uns beim Abschied alle einig: Der größte Irrgarten Deutschlands, der ist echt irre!

 

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