Malta 1


GESCHICHTLICH
- von Kreuzrittern und Tempelbauern

Malta ist ein felsiges Eiland. Es gibt mehr Steilküste als Sandstrände. Deshalb bietet es für den klassischen Badeurlauber weniger Reize. Die Hauptinsel ist stark zersiedelt. Mehr als 90 Prozent der rund 380.000 Malteser leben dort. Die Bevölkerungsdichte ist die höchste in ganz Europa. Vor allem im Sommer sucht man vergebens üppiges Grün. Die Insel wirkt karg und vertrocknet. Deshalb kommt auch der Naturliebhaber kaum auf seine Kosten. Doch Malta hat andere Reize: landschaftlicher und kultureller Art. Siebentausend Jahre Geschichte ziehen hier am Auge des Betrachters vorbei, mehr als irgendwo sonst auf der Welt, komprimierter und vielseitiger als irgendwo sonst auf der Welt.

Reportage (Radio hr4, 16.10.2004):

[Musik: "Qamar Kwinta" von Etnika]

Ein bisschen orientalisch, ein bisschen mediterran – die traditionelle maltesische Musik ist so multikulturell wie das ganze Land. Denn auch sie war immer wieder neuen Einflüssen ausgesetzt. Wegen seiner strategisch günstigen Lage und seiner Naturhäfen wurde Malta zum Spielball der Mächte rund um das Mittelmeer. Die wohl deutlichsten Spuren haben die Kreuzritter des Johanniterordens hinterlassen. Fast drei Jahrhunderte beherrschten sie die Inseln. Sie bauten mächtige Befestigungsanlagen und prächtige Kirchen. Davon können wir uns bei einer Insel-Rundfahrt überzeugen.

[zum Anhören klicken: Atmo Turmuhr St. John's Co-Cathedral]

Eines der imposantesten Gotteshäuser, die uns Stephen Degiorgio, unser Guide, zeigt, ist die Kathedrale der Hauptstadt Valletta. Sie trägt den eigentümlichen Namen St. John's Co-Cathedral.

[O-Ton Stephen DeGiorgio:]
"It explains the significance ...
Der Name kommt daher, erläutert Stephen, dass diese Kirche der Kathedrale von Mdina untergeordnet ist. Erst nach dem Abzug der Johanniter wurde sie zur zweiten Bischofskirche erhoben neben der von Mdina.
... the one in Mdina."

Maltas Ko-Kathedrale ist von außen eher schlicht, aber innen entfaltet sie barocke Pracht. Berühmte Künstler wirkten an ihrer Ausstattung mit. Allen voran der italienische Maler Caravaggio mit seinem Monumentalwerk "Die Enthauptung Johannes des Täufers". Aber schon lange vor den Kreuzrittern wurden in Malta Sakralbauten errichtet. Die Überreste von prähistorischen Tempelanlagen zeugen noch heute von den Baukünsten eines unbekannten Steinzeit-Volks. Die älteste von ihnen ist fast 7.000 Jahre alt. Unser Guide führt uns nach Hagar Qim, mit rund 5.000 Jahren einer der am besten erhaltenen Tempel.

Inselführung mit Stephen Degiorgio
Tempelanlage Hagar Qim
Einfahrt zur Blauen Grotte

[zum Anhören klicken: O-Ton Stephen Degiorgio]

"The closest example you find ...
Die einzig vergleichbare Anlage in der Welt ist Stonehenge in England, das von 2.800 vor Christus stammt. Diese hier ist von 3.200 vor Christus, die älteste von 3.800. Sie ist älter als die ersten Pyramiden in Ägypten, die etwa um die gleiche Zeit entstanden sind wie dieser Tempel hier.
... the same date as this temple over here."

Seine Mauern bestehen aus meterhohen Steinquadern. Das Werk von Riesen, glaubten die Malteser früher. Wer die Baumeister wirklich waren und wie sie die tonnenschwere Last bewältigten, weiß auch Stephen Degiorgio nicht und wird wohl nie restlos geklärt werden.

[Atmo: Motorboot]

Kein Menschenwerk jedenfalls ist die Blaue Grotte an Maltas Südküste. Man kann sie nur mit dem Boot erreichen. Das Meer hat tiefe Höhlen in den Fels gegraben und das seichte Wasser schimmert unwirklich blau.

[O-Ton Bootsführer Peter:]
"That's what the reflection of the sun reflects underneath, that makes the water blue. The more the sun, the more it will be blue."

Das kommt von der Spiegelung der Sonnenstrahlen, meint Peter, unser Bootsführer. Je mehr Sonne, desto blauer wird's. Experten allerdings führen das Naturschauspiel auf Blaualgen zurück, die hier im Wasser wachsen. Beeindruckend ist es allemal. Und am Ende unserer Insel-Tour haben auch die Skeptiker ihre Liebe zu Malta entdeckt. Manchmal dauert es eben etwas länger, bis der Funke überspringt:

[O-Töne Touristen:]
"Auf gar keinen Fall Liebe auf den ersten Blick, sondern erstmal so: Huuups, was ist das hier? Sehr karg, sehr trocken. Aber wenn man dann ein paar Tage hier ist, sich ein bisschen umguckt, ist die ein oder andere Besonderheit, die man halt nicht so oft sieht."
"Auf den dritten Blick vielleicht, aber es ist die massivste Zusammenballung von wunderbaren Bauwerken, die ich je gesehen hab'. Super!"

 

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Hier geht's zur Jeep-Safari auf Gozo und der Reportage Malta 2.