Liechtenstein 4


IM FRÜHTAU ZU BERGE WIR ZIEH'N
- Wanderung auf dem Fürstensteig

Das kleine Liechtenstein bietet großartige Ausblicke. Ob vom Tal aus auf die umliegenden Berge oder von den Bergen hinunter ins Tal. Am besten genießen kann man sie auf einer Wanderung. 19 klassische Wanderungen werden vom Alpenverein des Fürstentums empfohlen. Den kürzesten kann man in einer Stunde bewältigen, für den längsten braucht man bis zu acht Stunden. Auch der Schwierigkeitsgrad ist sehr unterschiedlich. Einer der schönsten Rundwege führt von Gaflei über den so genannten Fürstensteig zurück nach Gaflei. Er ist drei Stunden lang und zählt zur mittleren Kategorie – ein schmaler Bergpfad, der immer am Rande des Abgrunds entlang führt. Wer ihn gehen will, sollte früh aufbrechen, denn morgens ist das Panorama am schönsten.

Reportage (Radio hr4, 14.10.2006):

[Musik: "Im Frühtau zu Berge ..."]

Um halb sieben schon treffen wir uns am Startpunkt in Gaflei mit Daniel Schierscher, dem Präsidenten des Liechtensteiner Alpenvereins. Kein Alm-Öhi mit Tirolerhut und Rauschebart, sondern ein junger, sportlicher Typ, dem das frühe Aufstehen sichtlich leichter gefallen ist als uns. Er hat auf der unchristlichen Zeit bestanden. Denn Morgenstund' garantiert klare Luft, klare Sicht - und mit etwas Glück kann man Gämsen beobachten.

[zum Anhören klicken: O-Ton Bergführer Daniel Schierscher]

"Du hast 'ne gute Chance, wenn man hier wandern geht. Denn es gibt viele felsige Abhänge, wo sie sich gerne aufhalten, und da ist die Chance relativ hoch, dass man einem Tier begegnet. Die beste Gelegenheit ist sicher vor Sonnenaufgang, wenn man schon was sieht, beziehungsweise kurz danach."

Tatsächlich lassen die scheuen Kletterkünstler nicht lange auf sich warten. Mit sicherem Tritt überwinden sie selbst die steilsten Hänge. Ein faszinierender Anblick, der mir als notorischem Spätaufsteher bisher entgangen ist. Aber einen sicheren Tritt brauchen wir ebenso wie die Gämsen, denn der Pfad ist äußerst schmal und der Abgrund äußerst tief.

Daniel Schierscher
Da geht's lang
Immer nah am Abgrund

[O-Ton Wanderer:]
"Ich finde es toll, aber ich hab' auch Respekt. Da muss man schon aufpassen, dass man nicht ins Leere tritt."

Ein Spaziergang im Park ist etwas anderes. Der Fürstensteig gehört schon zu den anspruchsvolleren Wanderwegen im Fürstentum.

[O-Ton Daniel Schierscher:]
"Der Füstensteig ist, wie der Name schon sagt, ein Steig. Er ist aus dem Fels gehauen, an einem Felsband entlang. Und das ist eigentlich einmalig in Liechtenstein. Es gibt nichts wirklich Vergleichbares in Liechtenstein, außer normale Höhenwege beziehungsweise Bergwanderungen auf irgendwelche Gipfel."

Immer an der Wand lang, gewinnen wir Höhenmeter um Höhenmeter. Immer wieder müssen wir uns an einem Stahlseil festhalten, um nicht abzurutschen. Und so schrauben wir uns langsam bis auf 1.856 Meter hinauf. Dort oben angekommen, tut sich ein Rundblick auf, der Seinesgleichen sucht.

[O-Ton Daniel Schierscher:]
"An diesem Punkt kann man einen Teil des Oberlandes sehen, man sieht aber auch ins Unterland Richtung Bodensee. Und der Rhein ist natürlich von hier oben sehr schön sichtbar. Dann natürlich die große Sicht auf die Schweizer Berge, dann hinter mir sieht man in die Österreicher Berge hinein und auch einen Teil des Weges, den wir jetzt noch gehen werden."

Flora am Wegesrand
Auf 1.856 m Höhe
Grüne Almwiese mit Pferden

Von hier ist es allerdings nicht mehr weit bis zum höchsten Punkt auf 1.937 Metern. Jenseits davon geht die Felswand in eine grüne Almwiese über mit Pferden und Kühen drauf.

[Atmo: Kuhglocken]

[Atmo: Knirschen der Schritte]

Beschwingten Schrittes wandern wir talwärts, zurück nach Gaflei. Der Fürstensteig hat Lust auf mehr gemacht. Und Daniel Schierscher ist sicher, dass unsere Lust befriedigt werden kann.

[O-Ton Daniel Schierscher:]
"Ich finde, dass Liechtenstein eine extrem hohe Vielfalt hat an verschiedenen Bergwanderwegen, ob leicht oder schwer. Man kann eigentlich fast alles haben hier – angefangen vom einfachen Talweg bis eben Fürstensteig: ein bisschen Schwindelfreiheit, die dazu gehört, aber dann auch Kletterpassagen auf die noch höheren Berge, und da ist dann auch zum Teil Seil gefordert."

Kurz vor dem Ziel kommen wir an einer Sennhütte vorbei, wo eine Holztafel frischen Apfelsaft vom Fass anpreist. Das wäre jetzt genau das Richtige. Leider ist die Hütte noch geschlossen. Es hat eben doch nicht nur Vorteile, wenn man schon in aller Herrgottsfrühe wandern geht.

[Musik: "Im Frühtau zu Berge ..."]

 

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