Hunsrück 4


DER SCHINDERHANNES-UNTERMOSEL-RADWEG
- von Emmelshausen nach Burgen

In Emmelshausen könnte man, wenn man wollte, die Radtour beenden und mit der Hunsrückbahn hinunter ins Rheintal nach Boppard fahren. Ein spektakuläres Erlebnis wäre das, ist sie doch Deutschlands steilste Eisenbahnstrecke: 336 Höhenmeter überwindet sie, passiert dabei zahlreiche Tunnel und Viadukte. Doch der Schinderhannes-Untermosel-Radweg ist kaum weniger spektakulär. Am Ende der 20 Kilometer langen Strecke geht es ebenfalls steil hinab von den Hunsrückhöhen ins romantische Moseltal – herrliche Ausblicke inklusive. Wer also genügend Zeit und Kondition hat, sollte die Anschlusstour auf keinen Fall versäumen. Auch wenn sie mit dem Schinderhannes außer dem Namen nicht mehr viel zu tun hat. Hier sollen zwar ebenfalls unheimliche Gestalten die Wälder unsicher machen, doch der berühmte Räuberhauptmann hat sich niemals so weit im Norden des Hunsrücks herumgetrieben.

Reportage (Radio hr4, 09.08.2008; rbb-INFOradio, 30.08.2008):

[zum Anhören klicken: komplette Reportage]

Wo bitte ist das Räuber-Symbol? Schon beim Start in Emmelshausen verfahren wir uns mehrmals. Die Beschilderung auf dem Schinderhannes-Untermosel-Radweg ist nicht so eindeutig wie auf den beiden anderen Touren. Aber zum Glück haben wir ja unsere Karte dabei. Mit deren Hilfe ist es kein Problem, den Weg zum ersten Etappenziel Gondershausen zu finden. Die Skulptur am Ortseingang lässt keinen Zweifel: Hier sind wir richtig in der ehemaligen Hochburg der Besenbinderei.

[O-Ton Willi Eiskirch:]
"Früher war ja Gondershausen geteilt gewese’; da war Obergondershausen und Niedergondershausen. Und in Niedergondershausen, da waren große Bauern gewese’, die ham keine Besen gemacht, und hier, die Oberdorfer, die ware’ dann arm gewese’, nebebei ham die Besen gemacht."

Willi Eiskirch ist der letzte Mohikaner seiner Zunft. Der 73-Jährige führt als einziger Besenbinder die alte Handwerkstradition fort. 50 Reisigbesen am Tag stellt er her, für zwei Euro pro Stück verkauft er sie. Als junger Bursche nach dem Krieg bekam er noch viel weniger.

[O-Ton Willi Eiskirch:]
"Da hammer damals 30 Pfennig bekomme’, und da sin’ mir als mit’m Fahrrad bis nach Cochem, hatte’ mer immer so zehn Besen drauf gehabt und da simmer gefahre’ von Haus zu Haus hammer die dann verkauft."

Besenbinder-Dorf Gondershausen
Der letzte Besenbinder Willi Eiskirch
Grieswald

In Richtung Mosel fahren auch wir jetzt weiter. Auf dem Grieshof zwischen Beulich und Mermuth treffen wir Petra Wölbert. Die Bauersfrau würde nachts nie den Wald betreten, der vor Jahrhunderten zum Streitobjekt der beiden Dörfer wurde. Ein Beulicher, erzählt sie uns, der als ehrenwerter Mann bekannt war, sollte entscheiden, wem der Grieswald gehört.

[O-Ton Petra Wölbert:]
"Er ist also bis hundert Meter vor die Ortsgrenze von Mermuth gegangen, hatte sich vorher aus seinem Garten Laub unter den Hut gesteckt und Äste aus seinem Garten in die Schuhe getan und hat dann geschworen: 'Ich steh’ auf Beulicher Boden unter Beulicher Laub.’ Der Mann hat also gelogen, und daher spukt sein Geist heut’ noch im Wald herum, und deshalb muss man sich in Acht nehmen. Geht man nachts in den Grieswald, kann einem das Griesmännchen begegnen."

Tagsüber ist der Wald ganz ungefährlich. Und so fahren wir hinüber nach Mermuth, stellen unsere Fahrräder ab und machen zu Fuß einen Abstecher zur Ehrbachklamm.

[Atmo: rauschender Wildbach]

Beulicher Griesmännchen
Ehrbachklamm bei Mermuth
Zielort Burgen an der Mosel

Vorbei an der Ruine Rauschenburg steigen wir den steilen Pfad hinunter. Die Klamm ist ein enges Seitental der Mosel mit einem rauschenden Wildbach, mit Wasserfällen, Felsklippen, Holzbrücken und Mühlen. Der Umweg führt uns in eine der wildromantischsten Ecken des Hunsrücks, bevor wir mit dem Fahrrad auf die Schlussetappe gehen. Hinter Morshausen heißt die Devise: Von nun an geht’s bergab. Rund 200 Höhenmeter in engen Serpentinen hinunter nach Burgen. Radfahrerherz, was willst du mehr? Nur einmal stoppen wir noch, um die Aussicht zu genießen.

[O-Ton Fahrrad-Tourist:]
"Also, es is’ wunderschön. Man hat 'n wunderschönen Blick von hier oben auf die Mosel und den Ort Burgen, wie er davorliegt, und der Ort selbst schmiegt sich in so ’n Tal 'rein. Also, das is’ sehr, sehr schön."

Minuten später sind wir am Ende unserer dreitägigen Radtour. Mit einem Gläschen Mosel stoßen wir noch mal an – auf den schönen Hunsrück und auf den alten Schinderhannes, unseren treuen Begleiter.

[Atmo: klingende Weingläser]

 

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