Die Großen Seen 1


HIMMELFAHRTSKOMMANDO
- der CN-Tower in Toronto

Großartige, weitgehend unberührte Natur. Scheinbar unendliche Wasserflächen und scheinbar ebenso unendliche Waldgebiete. Das ist die eine Seite der Großen Seen von Nordamerika. Die andere Seite: pulsierende und deshalb nicht weniger faszinierende Städte. Eine davon ist Toronto am Ontariosee – Kanadas heimliche Hauptstadt. Modern, sympathisch, multikulturell. Schon deswegen eine Reise wert. Doch die meisten kommen aus einem ganz bestimmten Grund – und der ragt genau 553 Meter in den Himmel hinein. Die Rede ist von Torontos CN-Tower, dem höchsten freistehenden Turm der Welt.

Reportage (Radio hr3, 21.04.2002)

Der CN-Tower, Torontos Fernsehturm, ist eine gigantische Nadel, die an den Wolken kratzt. Wir haben uns ein hohes Ziel gesteckt. Das höchste überhaupt. Und das verbindet uns mit vielen anderen Menschen. Über eine Stunde müssen wir Schlange stehen. Dann endlich dürfen wir unsere Himmelfahrt antreten – in einem der gläsernen Außenfahrstühle.

[O-Ton Lift-Hostess Christine:]
"Welcome everyone ...
Christine, das blonde Lift-Girl, heißt alle Fahrgäste willkommen an Bord: Wir brauchen 58 Sekunden bis zur unteren Plattform auf 346 Meter Höhe, erklärt sie. Das entspricht 114 Stockwerken.
... equivalent of 114 building stories."

346 Meter, da sind wir schon hoch über der Stadt. Aber wir wollen noch höher hinaus. Nach einer weiteren Stunde Wartezeit und einer weiteren Liftfahrt landen wir auf der zweiten Plattform, 447 Meter über Grund. Die ganze Welt liegt uns zu Füßen.

[O-Ton Touristin:]
"Boah, jetzt stehn mir hier oben! Das isch der größte Turm der Welt un' mir stehn hier. Das isch schon ein ernormes Gefühl, absolut, wirkt alles wie so Lego-Figuren und das isch absolut erhebend, des isch gigantisch."

Im vergangenen Jahr konnte der CN-Tower silbernes Jubiläum feiern. Gebaut wurde er eigentlich nur, weil die vielen neuen Hochhäuser damals in den Siebzigern den TV-Empfang störten. Es musste also ein Fernsehturm her.

Glasboden in 346 m Höhe
Wie eine Nadel in den Himmel
Blick aus 447 m Höhe

[O-Ton Irene Knight:]
"Once you get up ...
Wenn man mal so weit ist, erläutert Irene Knight von der PR-Abteilung des Towers, dann ist es nur noch ein kleiner Schritt um zu sagen: Wir bauen den höchsten Turm der Welt. Also, da spielt schon auch eine Portion kanadischer Stolz mit.
... something doing like that as well."

Schließlich galt es, den Moskauer Fernsehturm, bis dahin Rekordhalter in der Welt, zu übertrumpfen. Das war Ansporn für die Architekten zu einer technischen Meisterleistung, einem Wunderwerk der Statik.

[O-Ton Irene Knight:]
"This really was ...
Das ist wirklich eine Konstruktion gewesen, mit der sie an die Grenzen des Machbaren gestoßen sind. Es hat eine Menge Forschung und Berechnung gekostet, um sicher zu stellen, dass der Turm allen Extrem-Situationen standhält.
... any sort of extremes."

Trotzdem sind wir froh, dass kein Orkan draußen wütet. Drum bleiben wir, bis es dunkel wird, und genießen unser Dinner im Dreh-Restaurant des Turms. Unter uns das Lichtermeer der Millionenstadt auf der einen und die unendliche Schwärze des Ontariosees auf der anderen Seite. In 350 Meter Höhe dem Himmel verdammt nahe.

 

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Hier geht's zu versunkenen Schiffen und der Reportage Die Großen Seen 2.