Tour de Franken 3

REBEN, RIESEN, RITTERSLEUTE
- zweite Etappe: von Marktheidenfeld nach Miltenberg

Der Spessart hat uns schon im letzten Drittel der ersten Etappe begleitet, und wir werden ihn von nun an nicht mehr aus den Augen verlieren. Der Main umschließt das Gebirge wie ein gekräuseltes U. Die zweite Etappe unserer "Tour de Franken" ist nicht ganz so lang wie die erste, nämlich "nur" knapp 60 Kilometer, aber auch hier heißt es: beizeiten losradeln, um genug Zeit für die vielen Attraktionen am Wegesrand mitzubringen. Auf dem Tagesplan stehen diesmal unter anderem die Steillagen-Reben des Kallmuth in Homburg, das schmale Häuschen der Rittersleute von Zobel in Wertheim und schließlich das historische Gasthaus "Riesen" am Etappenziel in Miltenberg.

Reportage (Radio hr4, 25.07.2009):

[zum Anhören klicken: komplette Reportage]

Über Nacht sind Wolken aufgezogen. Es sieht nach Regen aus, als wir morgens in die Pedale steigen. Doch erstmal bleibt es trocken.
Nach einer halben Stunde taucht das Fachwerkschlösschen Homburg vor uns auf. Es thront idyllisch auf einem Felsen über dem Main. In der Gemeinde wird seit mindestens 900 Jahren Frankenwein angebaut. 

[O-Ton Lothar Huller:]
"Sie hat eine Weinlage, den Kallmuth, der einen Klang hat unter den Weinfreunden – man kann sagen, auf der ganzen Welt. Eine denkmalgeschützte Terrassenweinlage, Steilhang, mit an die zwanzig Kilometer Mauern und Treppen. Und dieser Berg ist schon von Alters her berühmt ob seines eigenartigen Geschmacks..."

…womit der Homburger Winzer Lothar Huller vor allem die erdigen Silvaner meint, die am Kallmuth reifen. Eine ungewöhnliche Bodenmischung aus Muschelkalk und Buntsandstein sorgt für das besondere Aroma. Gerne würden wir jetzt eine Weinprobe machen, aber dafür ist es leider noch zu früh am Tag. Stattdessen radeln wir weiter nach Wertheim, wo wir schon erwartet werden.

[Atmo-Ton Udo Klüpfel:]
"Herzlich willkommen in Wertheim. Mein Name ist Udo Klüpfel. Wir werden einen Spaziergang durch die weit über tausendjährige Stadtgeschichte machen und beginnen hier am Spitzen Turm."

Blick auf Schloss Homburg
Winzer Lothar Huller im Weinberg
Ankunft in Wertheim

Der Turm ist nicht nur spitz, sondern auch schief – so wie viele Gebäude in der Altstadt. Udo Klüpfel zeigt uns manche bauliche Kuriosität. So zum Beispiel das "Schmale Haus der Ritter von Zobel". Sie wollten unbedingt am Markt wohnen, obwohl da gar kein Platz mehr war. Deshalb quetschten sie ihr Häuschen einfach an die Ecke zur Kapellengasse.

[O-Ton Udo Klüpfel:]
"Natürlich musste die Grundfläche hier entsprechend schmal gehalten werden, um noch einen Durchgang durch die Kapellengasse frei zu haben. Nach oben konnte man etwas breiter werden und auch ein bisschen mehr Wohnfläche von Stockwerk zu Stockwerk gewinnen. Interessant ist auch ab dem ersten Stock die Anlage der Fenster hier, nach drei Seiten hin, sodass die Ritter von Zobel den Marktplatz in seiner ganzen Länge und Breite überblicken konnten."

Über eine Fußgängerbrücke gelangen wir ans andere Ufer der Tauber, die bei Wertheim in den Main mündet. Von dort haben wir die beste Aussicht auf die mächtige Grafenburg hoch über der Stadt. Udo Klüpfel meint, wir sollten unbedingt noch zur Burg hinaufsteigen.

[O-Ton Udo Klüpfel:]
"Sie haben einen wunderbaren Ausblick auf Main und Tauber, auf die Ausläufer des Spessarts und des Odenwalds, auf die Altstadt, auf den Main, wenn die Schiffe vorbeifahren. Man fühlt sich wie im Legoland und unten ist so ’ne Miniaturstadt, aber Wertheim live."

Stadtführer Udo Klüpfel
Schmales Haus der Ritter von Zobel
Gasthaus "Riesen" in Miltenberg

Doch es ist schon recht spät, außerdem fängt es jetzt kräftig an zu regnen. Deshalb gehen wir nicht zur Burg, sondern zum Bahnhof und verfrachten unsere Fahrräder in den Zug (!) nach Miltenberg. So sind wir rechtzeitig zum Abendessen im "Riesen". Er ist das angeblich älteste Gasthaus Deutschlands und besteht schon seit dem 12. Jahrhundert. Seit 2001 heißt der Wirt Cornelius Faust – und dem ist es gelungen, Tradition mit Moderne zu verbinden:

[O-Ton Cornelius Faust:]
"Wenn Sie unsere Speisekarte sehen, dann sehen Sie natürlich Gerichte wie die 'Miltenberger Rossäppel', ein typisches altes Gericht – Leber und Klöße mit Sauerkraut und Soße. Sie finden aber genauso moderne, leichte Gerichte wie Salate, also das ist alles gegeben."

Wir entscheiden uns für die herzhaften Käsespätzle und dazu ein naturtrübes Bier aus der hauseigenen Brauerei. Auch das gibt Kraft für unsere dritte und letzte Etappe.

 

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