Chile 3

PATAGONIEN
- mit dem Fährschiff durch das "Wilde Fjordistan"

Wer vom äußersten Süden Chiles in Richtung Norden reisen wollte, der hatte bis vor wenigen Jahren nur zwei Möglichkeiten. Entweder mit dem Flugzeug oder auf dem Landweg durch das benachbarte Argentinien. Auf chilenischem Gebiet existiert bis heute keine durchgehende Straßenverbindung – Pinochets "Carretera Austral" wurde nie ganz fertiggestellt. Seit 2001 aber gibt es noch eine dritte Möglichkeit: mit dem Fährschiff von Puerto Natales vor den Toren des Nationalparks Torres del Paine nach Puerto Montt in der Seenregion. Mehr als tausend Kilometer durch die einzigartige Fjordlandschaft Patagoniens, "whale watching" inklusive.

Reportage (Radio hr3, 23.05.2004):

[Atmo: Schiffssirene]

Endlich stechen wir in See. Es ist früh am Morgen, draußen wird es langsam hell. Schon am Vorabend mussten wir in Puerto Natales an Bord gehen, damit die Fähre in der Nacht ungestört beladen werden konnte. Denn eigentlich spielen wir Passagiere nur eine Nebenrolle. Zumindest müssen wir uns das Schiff mit Tanklastern, Viehtransportern und Containern teilen. Erst vor drei Jahren, erzählt uns der Käpt'n, hat die Reederei Navimag auf den zunehmenden Tourismus in Patagonien reagiert und ihre Fähren umgerüstet.

[O-Ton Carlos Moreno Olmeda:]
"The Chilean tourists is not so much ...
Chilenen sind es zwar nicht so viele, sagt Carlos Moreno-Olmeda, aber immer mehr Ausländer kommen hierher in den Süden. Deshalb haben wir ein zusätzliches Kabinendeck draufgesattelt, um mehr Platz für Passagiere zu bekommen. Trotzdem, dies ist kein Touristenschiff, sondern ein Frachtschiff, das auch Passagiere mitnimmt.
... to carry passengers."

Immerhin sind wir etwa 300 an der Zahl, die ihre Nase in den Seewind halten, während die Fähre sich ihren Weg durch ein Labyrinth von unzähligen Inseln bahnt, vorbei an ebenso unzähligen Buchten und Fjorden. Unterwegs begegnen wir Kormoranen, Seelöwen, Delfinen und sogar Walen. Der chilenische Sommer ist eben die beste Jahreszeit für "whale watching", versichert uns Viviana, die für das touristische Programm an Bord zuständig ist.

[O-Ton Viviana Castro:]
"The whales travel to the South ...
Die Wale ziehen in den Süden, weil sie diese Temperaturen brauchen und genügend Futter. Im Winter, in unserem Winter, Juni, Juli, August, leben die Wale in der Karibik. Aber jetzt, Januar, Februar, ist es leicht, Wale zu sehen. Man sieht zwar nie den ganzen Körper, nur die Schwanzflosse und die Fontäne. Aber an den Fontänen kann man die verschiedenen Arten erkennen.
... whales from the kind of spray."

Fährkapitän Carlos Moreno Olmeda
Gottverlassenes Nest Puerto Edén
Stammplatz an der Reling

[O-Ton Viviana Castro:]
"Well, it's very important ...
Dies ist sehr wichtig für uns Chilenen. In den meisten Ländern gibt es ja verschiedene Volksstämme. Hier in Südchile haben wir nur die Kawashkar, nur sieben Menschen, die in Puerto Edén leben. Und deshalb ist es so wichtig, dass wir hier anlegen. Denn die einzige Verbindung für diese Menschen zum Rest des Landes, nach Puerto Montt oder Puerto Natales, ist dieses Schiff.
... or Puerto Natales is this ship."

Am Ende der vierten Nacht endlich hat auch uns die Zivilisation wieder. Wir erreichen unseren Zielhafen Puerto Montt.

[Atmo: Entladen des Schiffes]

Und während die Tanklaster, Viehtransporter und Container entladen werden, ziehen wir Passagiere eine positive Bilanz: Den Seeweg durch das "Wilde Fjordistan" zu nehmen, war die richtige Entscheidung.

[O-Töne Touristen:]
"Schön fand ich immer, wenn man draußen war und man konnte irgendwie die Tiere beobachten und die Natur. Also, wir hatten Glück mit dem Wetter, es war sehr schön. Da konnte man regelmäßig rausgehen und innen drin auch die Leute treffen, die aus allen möglichen Nationen waren."
"Ich find' das hier wirklich gelungen. Also, zum einen ist es hier neuer und sauberer und schöner, als ich das erwartet hab' auf so 'nem Schiff. Service ist gut, Essen ist gut, und die Leute sind sehr nett. Und das alles zusammen, fand ich, war 'ne schöne Fahrt dann."

[Atmo: Schiffssirene]

 

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Hier geht's in die Chilenische Schweiz und zur Reportage Chile 4.