Breslau 4


EBBELWOI-EXPRESS OHNE EBBELWOI
- eine City-Tour mit der historischen Trambahn

Breslau/Wrocław weist erstaunlich viele Parallelen zu Frankfurt am Main auf – nicht nur weil die schlesische Metropole eine große Anzahl von Wolkenkratzern plant. Mit 640.000 Einwohnern ist Breslau fast genauso groß wie Frankfurt. Beide Städte liegen an einem bedeutenden Wasserweg, beide haben einen Dom, beide haben ein mittelalterliches Rathaus als Wahrzeichen, und in beiden Städten kann man sich auf eine nostalgische City-Tour mit einer historischen Straßenbahn begeben. Im Gegensatz zum Frankfurter "Ebbelwoi-Express" wird in Breslau allerdings kein "Stöffche" ausgeschenkt. Dafür startet die alte Tram an der Jahrhunderthalle – und eine solche gibt es ja auch in Frankfurt.

Reportage (Radio hr4, 07.03.2009):

[zum Anhören klicken: komplette Reportage]

Die Jahrhunderthalle steht am Rande des Scheitniger Parks, der größten Grünanlage in Breslau, und ist fast einhundert Jahre alt. 1913 fertig gestellt, sollte sie an den Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig erinnern. Der gigantische Rundbau zählt heute zum Weltkulturerbe der Unesco, erzählt unser Stadtführer Norbert Kulpiński.

[O-Ton Norbert Kulpiński:]
"Die Halle wurde im Stil der Frühmoderne erbaut, und das war damals, also 1913, die größte Kuppel in der ganzen Welt, also 65 Meter breit ist sie. Das war wirklich eine sehr tolle Leistung damals. Und alles natürlich nur Stahl und Beton, also Stahl-Beton-Konstruktion."

Sie blieb im Krieg unzerstört, weil sie den Piloten der russischen Kampfbomber als Orientierungspunkt diente. Äußerlich etwas in die Jahre gekommen, wird sie noch immer als Kongress- und Messehalle genutzt, für Konzerte und Veranstaltungen aller Art. Hier, an der Jahrhunderthalle, besteigen wir die historische Straßenbahn für unsere nostalgische City-Tour.

[O-Ton Norbert Kulpiński:]
"Wir haben die Straßenbahnen in der Stadt schon seit dem Jahre 1893, und da gibt es bei uns hier auch viele alte Straßenbahnen, und auch solche historische Routen haben wir hier auch – wie diese hier. Da kann man von der Straßenbahn aus die schönsten Sachen hier in der Stadt bewundern."

Sie blieb im Krieg unzerstört, weil sie den Piloten der russischen Kampfbomber als Orientierungspunkt diente. Äußerlich etwas in die Jahre gekommen, wird sie noch immer als Kongress- und Messehalle genutzt, für Konzerte und Veranstaltungen aller Art. Hier, an der Jahrhunderthalle, besteigen wir die historische Straßenbahn für unsere nostalgische City-Tour.

[O-Ton Norbert Kulpiński:]
"Wir haben die Straßenbahnen in der Stadt schon seit dem Jahre 1893, und da gibt es bei uns hier auch viele alte Straßenbahnen, und auch solche historische Routen haben wir hier auch – wie diese hier. Da kann man von der Straßenbahn aus die schönsten Sachen hier in der Stadt bewundern."

Kuppelbau der Jahrhunderthalle
Trambahn spartanisch eingerichtet
Modernes Einkaufszentrum

Unser einheimischer Begleiter rät allerdings davon ab, sich ebenfalls dem Kaufrausch hinzugeben. Das würde sich nicht lohnen, meint er.

[O-Ton Norbert Kulpiński:]
"Im Vergleich zu Deutschland, da haben wir fast gleiche Preise, leider, obwohl wir ja viel weniger verdienen, aber wenn es um Kleidung geht, dann kostet das ja alles fast gleich so viel wie in Deutschland. Billiger sind in Polen nur noch die Dienstleistungen."

Das trifft auch auf die Preise für öffentliche Verkehrsmittel zu. Die Fahrt mit der Straßenbahn kostet umgerechnet gerade mal um die 60 Cent. Eine günstigere Stadtrundfahrt bekommt man kaum irgendwo sonst geboten. Da bleibt noch genügend Geld übrig für ein schönes Souvenir.

[O-Ton Norbert Kulpinski:]
Da nehmen sehr viele Leute Wodka zum Beispiel – Büffelwodka sagen wir, mit Gras – das schmeckt wirklich sehr gut (lacht). Das ist nicht typisch für Breslau, aber für Polen: also Bernsteinschmuck. Das wird auch verkauft, auch in Breslau. Und wenn jemand mag, Silberschmuck, das ist auch etwas sehr Typisches für Polen."

Hinter der Einkaufsmeile nähern wir uns schon bald dem Zentrum. Linker Hand liegt die Dominsel. Diesmal sehen wir sie nicht vom Wasser aus, sondern von der anderen Seite. Eigentlich, meint Norbert, sollte man hier einen Zwischenstopp einlegen und die Gegend zu Fuß erkunden.

[O-Ton Norbert Kulpiński:]
"Heute ist die Insel wirklich die Oase der Ruhe hier in der Stadt. Dort kann man auch sehr schön Zeit verbringen, hier befindet sich der wunderschöne Botanische Garten, und hier auf der Dominsel werden zum Beispiel auch sehr viele Filme gedreht, denn die Architektur ist ja wirklich sehr schön und die Häuser wurden hier nur teilweise zerstört im Krieg und dann auch sehr schön rekonstruiert."

Billig sind nur noch Dienstleistungen
Ehem. Kloster St. Vinzenz
Endstation Opernhaus

Aber jetzt genießen wir erst mal unsere nostalgische Fahrt. Über die Sandinsel geht es an der Markthalle und dem ehemaligen Kloster St. Vinzenz vorbei in einem großen Bogen um den Ring herum. Schade, bis in die Neunziger Jahre hinein ist die Straßenbahn noch durch diese schönste Kulisse Breslaus gerumpelt. Dann mussten die Schienen weichen.

[O-Ton Norbert Kulpiński:]
"Vor ein paar Jahren hat man festgestellt, der Marktplatz soll einfach die Fußgängerzone sein. Jedes Jahr haben wir immer mehr Touristen in der Stadt, und das war auch für die Leute, die dort wohnen, nicht besonders gemütlich, es war wirklich viel zu laut für sie."

Auch die Schweidnitzer Straße, früher mal eine Hauptverkehrsachse von Breslau, ist heute großenteils Fußgängerzone. Hier endet unsere Fahrt mit der historischen Straßenbahn. Unmittelbar vor dem Opernhaus.

[O-Ton Norbert Kulpiński:]
"Das schöne klassizistische Gebäude wurde im 19. Jahrhundert als Stadttheater gebaut, und nach dem Krieg das ist schon die Stadtoper, und diese Oper hier, das ist wahrscheinlich die beste Oper in ganz Polen. Also, die Opern werden nicht nur in diesem Gebäude aufgeführt, sondern auch im Freien, zum Beispiel auf den Inseln oder in der Jahrhunderthalle."

Und so schließt sich der Kreis. Sollten wir noch Karten für die Jahrhunderthalle bekommen, dann wissen wir jetzt wenigstens, wie wir am günstigsten hinkommen.

 

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